Bekanntmachungen

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Wohin am Abend?

THEATER BONN: EINE SIZILIANISCHE VESPER
Theaterfotograf Thilo Beu Theater-Bonn

Ein Opernbesuch.

Oper und Theater spielen unter Bonner Studenten nur eine untergeordnete Rolle würde wir behaupten. Elitär, gestrig, teuer, insgesamt nicht sexy genug. Wie schade! Dabei sollen Stadttheater doch – frei nach Thomas Laue – Orte des „Diskurses über die Stadtgesellschaft und ihre Zukunft“ sein, die Lust haben „sich einzumischen und Verbindungen herzustellen.“ Nirgendwo kann man seine eigene Stadt besser entdecken, als auf der heimischen Bühne. Deswegen haben wir für euch am 25. Mai 2019 die Premiere von Verdis „Les Vepres Siciliennes“ besucht und können sie wärmstens für einen studentischen Operneinstieg empfehlen. Daher im Folgenden ein kleiner Vorgeschmack:

Schauplatz der „Sizilianischen Vesper“ ist Palermo 1282. Die Stadt leidet unter ihren französischen Besatzern. Die Widerstandskämpfer Henri, Procida und Herzogin Hélène wollen sie befreien. Hélène deswegen, weil der Anführer der Besatzer, Gouverneur Montfort, ihren Bruder getötet hat. Henri weil er Hélène liebt und sie die Rache ihres Bruders zur Bedingung für eine Beziehung gemacht hat. Procida wohl tatsächlich aus politischer Überzeugung. Die drei planen Montfort bei einem Maskenball am Abend zu ermorden. Unterdessen erfährt der Gouverneur durch einen Brief seiner verstorbenen Exfrau, dass Henri sein Sohn ist. Er lässt ihn zu sich bringen und eröffnet ihm, dass er sein Vater ist. Der verlorene Sohn verhindert daraufhin in emotionaler Zerrissenheit den Anschlag auf Montfort. Hélène, Procida und die übrigen Revolutionäre werden verhaftet, ihnen droht die Todesstrafe. Henri eilt ins Gefängnis, um sich Hélène zu erklären. Nachdem sie von den neuen Familienverhältnissen erfährt, verzeiht sie ihm und beschert den Zuhörern damit einen Gänsehautmoment. Montfort will den Aufständen ein Ende setzen und beschließt dafür die Hochzeit von Henri und Hélène. Procida hat währenddessen das Geläut der Hochzeitsglocken als Angriffszeichen für die Revolutionäre bestimmt. Das Friedenszeichen verkehrt sich in blutiges Gemetzel.

Die Bonner Inszenierung der „Sizilianischen Vesper“ hat alles, was zu einem gelungenen Opernabend gehört. Das Beethovenorchester brilliert unter der Leitung von Will Humburg. Gemeinsam schöpfen sie das Farbspektrum des Stückes voll aus: verhaltene Momente sind filigran und äußerst präzise, die großen Chorplateaus hingegen schwungvoll-imposant ausgestaltet. Bereits nach der Ouvertüre gab es – bemerkenswert und völlig zu Recht – Bravorufe. Das Besondere an diesem Verdi sind die tiefen emotionalen Kämpfe, die die Figuren auszufechten haben. Sie sind facettenreich, bisweilen widersprüchlich und folgen ihren eigenen Idealen. Obwohl Montfort der Antagonist des Stückes ist, schafft es Davide Damiani durch seine anrührende Darstellung echte väterliche Zuneigung auszustrahlen. Stimmlich transportiert er eine Verletzlichkeit, der man sich nicht entziehen kann. Leonardo Caimi als Henri trägt das Hin-und Hergerissen-Sein zwischen Vater, Liebe und Heimat mit einem starken Tenor, der gerade in den Höhen ein angenehm tiefes Timbre hat. Anna Princeva singt Hélène kämpferisch, den Besatzern gegenüber mit ungebeugtem Stolz. Sie funkelt und faucht sie an, ohne stimmlich schrill zu werden. Im Gegenteil, ihre Stimme hat in der Höhe eine beeindruckende, mitreißende Strahlkraft. Insgesamt versammelt sich an diesem Abend ein hochkarätig besetztes Ensemble auf den Bonner Brettern. Beeindruckend auch die eigens für die Inszenierung engagierten Tänzer. Sie zeigen mit dezidierter Körperbeherrschung aber existenziell, wild und echt die emotionalen Abgründe des Stückes. Ein Highlight des Abends ist die vertanzte Liebesgeschichte zwischen Montfort und Henris Mutter.

Bühnenbild und Inszenierung halten sich derweil im Hintergrund. Regisseur David Pountney hat sich mit Raimund Bauer für einen modernen, cleanen Bühnenraum entschieden. Das ist in zweierlei Hinsicht erfreulich: Erstens kommen so die Dramen auf der Bühne optimal zur Geltung. Zweitens muss man sich als Opernneuling nicht von pompösen ungewohnten Bildern abschrecken lassen. Natürlich ist dieses Setting nicht neu und macht es den Sängern auf der Bonner Bühne besonders im ersten Akt auch nicht leicht „über den Graben“ zu kommen, Raum und Geschichte greifen an den entscheidenden Stellen aber gut ineinander.

Insgesamt könnt ihr mit diesem Verdi einen mitreißenden Opernabend erleben. Wir sind jedenfalls mit dem restlichen Premierenpublikum zu standing ovations aufgesprungen.

Die nächsten Vorstellungen finden am 15., 23., 27., 29.6. und am 5.7 statt. Ihr müsst euch auch nicht weit im Voraus um Karten bemühen, Studenten bekommen nämlich an der Abendkasse Karten für 15 €. Es reicht also, wenn ihr 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn mit eurem Studentenausweis an der Kasse im Opernhaus seid. Außerdem gibt es regelmäßig besondere Studentenaktionen, die ihr hier findet. Ab nächstem Semester habt ihr mit dem Kulturticket auch die Möglichkeit an der Abendkasse Restkarten für nur 3€ zu erwerben. Wer trotzdem mit dem Format Oper fremdelt: in der nächsten Akut gibt es ein „How to… Opernbesuch“. Also auf bald bei einem Glas Wein im Opernfoyer!

Ein Artikel von Jessica Magdalena Graeber unter Mitarbeit von Elin Baumeister.

THEATER BONN: EINE SIZILIANISCHE VESPER
Theaterfotograf Thilo Beu Theater-Bonn

Kreuzworträtsel-Lösung Nr. 342

  1. NETFLIX
  2. FLUNKYBALL
  3. MÜNSTER
  4. HOFFMANN
  5. RHEINOS
  6. BALTHASAR
  7. POPPELSDORF
  8. WARHOL
  9. ECAMPUS
  10. ULB
  11. WOKI

Lösungswort: FRIEDRICH WILHELM

Beschlossene Sache

RUBRIK SP-BESCHLÜSSE  Das 38. Studierendenparlament hat erneut viele Dinge beschlossen. Wie immer sind unter den Beschlüssen alte Bekannte und einige Neuerungen – ausgewählte Beschlüsse stellen wir hier vor.

VON MAX DIETRICH

Das 38. Studierendenparlament beim debattieren (Foto: Max Dietrich / AKUT)

23.05.2016
Anerkennung der Abstimmung zur UniCard
Zwar wurde bei der Urabstimmung im Januar das nötige Quorum von 20 % nicht erreicht, die große Mehrheit der abgegebenen Stimmen sprach sich jedoch sowohl für die Einführung als auch für eine Beteiligung der Studierendenschaft an den entstehenden Kosten aus.

Mit diesem vom RCDS eingebrachten Antrag wurde das Ergebnis der Urabstimmung mit 8 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen angenommen.

23.05.2016
Mitveranstaltung der Demonstration gegen die Schließung der ZB MED
Das Studierendenparlament spricht sich für eine aktive Beteiligung der Studierendenschaft an der Demonstration gegen die Schließung der ZB MED aus und legitimiert die Bewerbung dieser durch den AStA.

Das Studierendenparlament entschied hier stellvertretend für die Gesamt-AStA-Sitzung. Die besagte Demonstration fand am 24.05.2016 statt.

23.05.2016
Kooperationsvertrag Freitisch mit dem Studierendenwerk
Die Studierendenschaft beteiligt sich mit bis zu 2500 Euro pro Semester an der Ausrichtung des Freitischs für Studierende in sozialen Härtefällen.

Der Freitisch richtete sich vormals an syrische Studierende, dieses Angebot wird jetzt auf alle bedürftigen Studierenden ausgeweitet.

23.05.2016
Veröffentlichung der Ausschussprotokolle
Die Sitzungsprotokolle der SP-Ausschüsse werden gleich den Sitzungsprotokollen des Studierendenparlaments online verfügbar gemacht.

Mit diesem Antrag soll die Ausschussarbeit deutlich transparenter werden, da deren Protokolle der Studierendenschaft nun besser zugänglich sind.

23.05.2016
Finanzantrag: AStA-Sportreferat: Minitrampoline
Das Studierendenparlament genehmigt 1514,80 Euro für die Anschaffung von zehn neuen Minitrampolinen.

Die Anschaffungen waren bereits von der Obleuteversammlung beschlossen worden und bedurften nun noch der Zusage durch das Studierendenparlament.

08.06.2016
Wahl AKUT-Chefredakteurin
Das Studierendenparlament wählt eine neue AKUT-Chefredakteurin.

Die neue Chefredakteurin heißt Linnéa Nöth. Sie löst Alexander Grantl ab, welcher vier AKUT-Ausgaben verantwortet hat.

08.06.2016
Haushaltsplan
Das Studierendenparlament beschließt den vom Finanzreferenten ausgearbeiteten Haushaltsplan für das Haushaltsjahr 2016/17.

Der Haushaltsplan entspricht im Wesentlichen dem letzten Nachtragshaushaltsplan.

08.06.2016
Deutsche Hochschulmeisterschaft Judo 2016
Um die Durchführung der Hochschulmeisterschaft Judo, die dieses Jahr in Bonn stattfindet, zu ermöglichen, unterstützt die Studierendenschaft diese mit 5000 Euro.

Die Hochschulmeisterschaft fand am 10. und 11. Dezember 2016 in der Hardtberghalle in Bonn statt.

06.09.2016
Kooperation mit La Familiär e.V.
Da es sich bei diesem Projekt formell nicht um eine KiTa handelt, kann nicht auf gängige Fördermittel zurückgegriffen werden. Das Projekt wird daher vom AStA Bonn unterstützt, diese Förderung wird nun fortgesetzt.

La Familiär bietet studierenden Eltern ein Betreuungsangebot für Kinder unter 3 Jahren.

19.10.2016
Förderung Wohnen für Hilfe
Der Vertrag der bisherigen, langjährigen Organisatorin des Projekts im AStA wird verlängert, um den Fortbestand und weiteren Ausbau zu ermöglichen.

Über das Projekt Wohnen für Hilfe haben wir in AKUT-Ausgabe Nr. 341 berichtet.

27.10.2016
Position zur Fachschaftswahlordnung
Das Studierendenparlament lehnt eine Änderung der Fachschaftswahlordnung ab. Diese sieht als bevorzugte Wahlmethode Direktwahl vor. Das SP möchte es Minderheiten ermöglichen, Antrag auf Listenwahl zu stellen.

Das Für und Wider der beiden Wahlsysteme läss sich nur schwer objektiv belegen. Die Fachschaftskonferenz bevorzugt Direktwahl, da diese weniger Aufwand bedeutet.

24.11.2016
Studieren ohne Grenzen
Mit der Bewilligung dieses Antrags unterstützt die Studierendenschaft zwei Veranstaltungen der Gruppe „Studieren ohne Grenzen“ mit insgesamt 170 Euro.

Studieren ohne Grenzen setzt sich für bedürftige Studierende aus Kriegs- und Krisenregionen ein. Die genannten Informationsveranstaltungen sind ein Filmabend und ein Abendessen.


Ein Zauberer der Worte

BUCH Merlin Monzel – nicht nur sein Vorname lässt Mystisches vermuten. Auch die literarische Welt, die der in Bonn studierende Jungautor zum Leben erweckt hat, ist nicht weniger geheimnisvoll. Der AKUT verrät er, weshalb er das WOKI liebt und auch vor „substantiellem Trash“ nicht zurückschreckt.

INTERVIEW LINNÉA NOETH

AKUT Du hast deinen Roman schon mit zwölf Jahren geschrieben, wie kam es, dass du ihn erst 2014 veröffentlicht hast?

MERLIN Ich habe lange Zeit versucht, einen Verlag zu finden, was als Kind leider nicht so einfach ist. Zwischendurch hat das Manuskript einfach nur in meiner Schublade gelegen und niemand hat es beachtet. Erst 2014 habe ich schließlich eine positive Rückmeldung bekommen. Dafür bin ich dem S.MO-Verlag bis heute sehr dankbar.

AKUT Der zweite Band ist gerade auf den Markt gekommen. Ist ein dritter geplant?

MERLIN Tatsächlich entstand die Handlung für den dritten Band bereits mit der Handlung des zweiten Bandes, weshalb im zweiten Band zahlreiche Anspielungen zu finden sind. Persönlich bin ich sogar sehr stolz auf die Handlung des dritten und voraussichtlich letzten Bandes, der aufgrund meines Genrewechsels aber wahrscheinlich noch ein wenig warten muss.

AKUT Wie kamst du dazu, deine Geschichte um phantastische Wesen wie Drachen zu spinnen? Wer oder was hat dich dazu inspiriert?

MERLIN Aufgrund eines defekten Sprunggelenkes habe ich mehrere Monate in einer Klinik gelegen, was man sich dementsprechend langweilig vorstellen kann. Mein Zimmergenosse mochte Drachen und andere fantastische Wesen, weswegen ich irgendwann angefangen habe, kleine Geschichten für ihn zu erfinden. Am Anfang des ersten Teils bemerkt man vielleicht sogar noch, dass der komplette Roman aus zahlreichen Kurzgeschichten entstanden ist. Erst später habe ich diese zu einer komplexen Handlung zusammengefügt.

AKUT Planst du, in Zukunft über realistische Themen zu schreiben, oder wirst du bei deinen Drachen bleiben?

MERLIN Das ist dann wohl der Moment, an dem ich über meinen bereits erwähnten Genrewechsel sprechen kann. In meinem Leben habe ich selbst kaum Fantasy gelesen und mich mehr für andere Genres interessiert. Im Moment schreibe ich an einem Roman, der am ehesten in die Sparte „Mystery“ fällt, ich selbst bezeichne ihn auch gerne als „substantiellen Trash“. Im Prinzip geht es mir darum, eine philosophische Botschaft mit möglichst drastischen Mitteln zu verbreiten. Vor Gewalt und sexuellen Darstellungen schrecke ich nicht zurück. Das Buch ist im Gegensatz zu „Narradonien“ realistisch gehalten, spielt aber auf zwei Ebenen: Die eine ist unsere wirkliche Welt, die andere eine Art mythologische Allegorie. Wie bei E.T.A. Hoffmanns Sandmann weiß man nie mit Sicherheit, was gerade Wirklichkeit ist und was nicht.

AKUT Wer sind deine literarischen Vorbilder?

MERLIN Ich habe eben ja bereits E.T.A. Hoffmann erwähnt, dessen Stil mir sehr gefällt. Mein neustes Werk nimmt aber auch Bezug auf Autoren wie Markus Zusak, der mit „Der Joker“ übrigens mein Lieblingsbuch geschrieben hat, und Anonymous, dessen „Bourbon Kid“-Reihe die sprachliche Gestaltung meiner Gewaltszenen stark beeinflusst hat. Am besten bekannt sollte den Lesern jedoch Stephen King sein, den ich vor allem aufgrund seines Mutes schätze. Er schreibt einfach, was er schreiben will und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf Leser und Konvention.

AKUT Wenn dich die Literatur so begeistert, warum hast du dich dann ausgerechnet für ein Psychologie- Studium und kein Studium der Literatur entschieden?

MERLIN Der zweite Teil der Frage lässt sich einfacher beantworten als der erste. Tatsächlich hatte ich kurz darüber nachgedacht, Literatur zu studieren, mich dann allerdings dagegen entschieden. Ich möchte meiner Kreativität freien Lauf lassen und mich nicht an irgendwelche literarischen Regeln halten. Meiner Meinung nach kann jeder schreiben, nicht nur studierte Autoren. Psychologie habe ich hauptsächlich gewählt, weil es mich interessiert. Vollkommen unabhängig vom Beruf des Autors wollte ich mich weiterbilden. Sollte mir das Studium jedoch dabei helfen, die Psyche des Menschen besser zu verstehen und in meine Werke einfließen zu lassen, so nehme ich das gerne an. Das Werk, an dem ich gerade arbeite, ist von einem Psychothriller schließlich nicht mehr weit entfernt.

AKUT Warum ist die Wahl deines Studienortes ausgerechnet auf Bonn gefallen?

MERLIN Ganz klar aufgrund der Rechtspsychologie. Kaum eine andere Universität bietet dieses Modul an, weswegen ich mich für Bonn entschieden habe. Als ganz kleiner Junge wollte ich Jura studieren und so habe ich für mich die Verbindung zwischen Jura und Psychologie geschaffen.

AKUT Was ist dein Lieblingsort hier in Bonn?

MERLIN Definitiv das WOKI. Wenn man einfach mal nur entspannen oder sich inspirieren lassen möchte, ist die wöchentliche Sneak genau der richtige Ort. Wäre bestimmt auch total cool, in einem der Kinosäle eine Lesung zu halten…

AKUT Und weshalb gehst du dann so oft zum Pub-Quiz im Fiddler’s?

MERLIN Das habt ihr aber gut recherchiert. Ich würde sagen, weil Quizzen einfach Spaß macht. Die Challenge interessiert mich und natürlich auch das Zusammensein mit meinen Freunden.

AKUT Zum Abschluss noch drei Gründe, weshalb man die „Narradonien“- Reihe lesen sollte.

MERLIN Gute Frage. Ein Grund ist wahrscheinlich, dass vor allem der erste Roman einen Teil unserer kindlichen Seele widerspiegelt. Wer wollte als Kind nicht auch mal ein Buch schreiben? Ich habe es aufgrund einiger glücklicher Umstände geschafft, meine kindliche Phantasie in ein Buch zu packen und nahezu ungefiltert der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mein zwölf jähriges Ich war vielleicht kein Profi, aber mit Sicherheit authentisch. Ein zweiter Grund ist natürlich die spannende Story. Es geht um eine Heldenreise. Um eine Reise des Erwachsenwerdens. Aus diesem Grund ist die Reihe vielleicht eher für Jüngere geeignet. Viele bekannte Themen werden auf neue, mitreißende Art und Weise aufbereitet. Der letzte Grund ist zugleich auch der wichtigste: Man sollte die Reihe lesen, wenn man neugierig ist. Neugierde treibt uns an und bringt uns dazu, neue Dinge auszuprobieren. Warum sollte man immer nur alte Klassiker oder berühmte Bestseller lesen? Vielleicht ist es ja an der Zeit, sich mal auf etwas Unbekanntes einzulassen. Wenn dieses Interview also Interesse in euch weckt, solltet Ihr die „Narradonien“-Saga lesen!

Das Spiel der Helden

JUGGER – DAS SPIEL Wer öfter einmal am Hofgarten vorbeikommt, der hat sie bestimmt schon einmal gesehen: Grün gekleidete Gesellen, die sich scheinbar mit Morgensternen und übergroßen Wattestäbchen bewaffnet duellieren. Doch hinter dem scheinbaren Chaos steckt ein Spiel von Geschwindigkeit und Präzision.

VON MAX DIETRICH

Der Sport, um den es sich hier dreht, heißt Jugger und entspringt ursprünglich einer australischen Filmvorlage mit dem wunderbar epischen Titel „The blood of Heroes“. In diesem Film, der vom Stil her wie einer der frühen „Mad Max“-Filme anmutet, finden die Bewohner einer post-apokalyptischen Welt kurzfristige Zerstreuung durch „das Spiel“, eben dem Ursprung von Jugger. Daraus wurde Anfang der 90er in Heidelberg im Zuge eines Live-Rollenspiels ein realer Sport entwickelt, der sich mitwerweile in ganz Deutschland verbreitet hat. Gespielt wird Jugger auf einem rechteckigen Feld von 40 Metern Länge mal 20 Meter Breite, bei dem die Ecken jedoch ausgespart werden. Ein Spiel ist in Spielzüge unterteilt, zu deren Beginn sich die Spieler an den Grundlinien aufstellen, und der Ball, genannt „Jugg“, in der Mitte platziert wird. Ein Spielzug endet, wenn es einem der Teams gelingt, den Jugg in das gegnerische „Mal“, also das Tor, zu stecken. Während eines Spielzugs verstreicht fortlaufend die Gesamtspielzeit, die in „Steinen“ gemessen wird. Ein Stein dauert 1,5 Sekunden, ein Spiel dauert 100 Steine. Zwischen den Spielzügen jedoch bietet sich für die Teams Gelegenheit für Strategiebesprechungen oder Positionsänderungen, so dauert eine Partie insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten Es treten zwei geschlechtergemischte Mannschaften à 8 Spielern gegeneinander an, von denen jedoch nur 5 gleichzeitig an einem Spielzug teilnehmen. In jedem Spielzug stellt einer davon den Läufer, der als einziger den Jugg bewegen darf. Die anderen Spieler sind mit den typischen Waffen, den Pompfen, ausgerüstet, und verteidigen den Läufer vor dem gegnerischen Team. Die Pompfen sind gepolsterte Keulen in verschiedenen, festgelegten Längen, desweiteren gibt es Rundschilde und eine morgensternartige Kette. Wird ein Spieler von einem gegnerischen Pompfen getroffen, muss er sich für eine gewisse Zeit hinknien und darf nicht am Spielgeschehen teilnehmen. Es gewinnt das Team, das nach Verstreichen der Spielzeit die meisten Punkte durch Platzieren des Juggs in das Mal erzielt hat. Was dabei herauskommt ist ein Sport, der gleichzeitig Geschwindigkeit und Präzision erfordert. Den Spielern muss es gelingen, das gegnerische Team durch Niederhaltung zu kontrollieren und dem eigenen Läufer das Punkten zu ermöglichen,

Wir haben die Juggmen am 04.12.2016 bei ihrem Training im Hofgarten besucht und dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Jonas Breull-Wierschem einige Fragen gestellt.

AKUT Wie kam es zur Gründung der „Flying Juggmen“?

JONAS Die Juggmen wurden 2012 von Bonner Studierenden gegründet, die sich damals die Ausrüstung aus Münster besorgt hatten. Damals waren es nur fünf bis sechs Leute. Seit August sind wir ein eingetragener Verein, allerdings unter dem Namen Jugger Bonn-Rhein-Sieg.

AKUT Wie würdest du Jugger kurz und knapp beschreiben?

JONAS Wir beschreiben Jugger immer als eine Mischung aus Rugby und Fechten. Das Zusammentreffen in der Mitte des Feldes ähnelt dem Rugby. Allerdings kommt es dann beim Kampf mit den Pompfen viel mehr auf Präzision und Geschwindigkeit an als auf Kraft, das hat viel mit dem Fechten gemeinsam. Aus Sicht der Läufer kommen dann noch Aspekte des Ringens hinzu, wenn sie um den Jugg kämpfen.

AKUT Was macht die Faszination von Jugger aus?

JONAS Zum einen die Vielseitigkeit. Jugger verbindet Elemente des Schwertkampfs, die ja eine gewisse archaische Faszination ausüben, mit einer Mannschaftssportart. Man kann Jugger nur zum Spaß spielen, oder sich professionalisieren und bei Turnieren antreten, wie wir das tun. Zum anderen ist es ein sehr faires Spiel. Bei Turnieren gibt es zum Beispiel vier Schiedsrichter, die genau gucken, wann jemand getroffen wurde.

AKUT Die Juggmen spielen in der Jugger-Liga und nehmen an Turnieren teil. Wie muss man sich das vorstellen?

JONAS Es gibt ein Ranking-System mit allen Mannschaften, die jemals ein Turnier besucht haben. Davon sind vielleicht 200 Mannschaften aktiv, die meisten davon aus Deutschland. Je nachdem, wie eine Mannschaft auf verschiedenen Turnieren dann abschneidet, wird sie in diesem Ranking eingeordnet. Wir belegen dort im Moment Rang 16, das ist schon ziemlich stark.

AKUT Jugger ist ja eine vergleichsweise junge Sportart. Wie siehst du die Entwicklung der letzten Jahre?

JONAS Es ist toll zu beobachten, wie Jugger an Bekanntheit wächst. Es entstehen überall neue Teams, die Turniere werden größer, alles wird insgesamt professioneller. Auch bei uns hat sich einiges getan, durch die Gründung des Vereins haben wir jetzt beispielsweise Zugang zu einer Halle, in der wir Trainieren können.

AKUT Was für Reaktionen bekommt ihr denn, wenn ihr hier in Öffentlichkeit trainiert?

JONAS Die meisten Leute sind einfach interessiert. Es macht auch viel aus, dass wir unsere eigenen Trikots haben, so sieht alles natürlich schon mal etwas professioneller aus. Wir beantworten immer gerne Fragen; die meisten Leute sind zum Beispiel überrascht, wie leicht so eine Pompfe in Wirklichkeit ist.

AKUT Wenn man Interesse hat, bei euch mitzumachen, kann man da einfach vorbeikommen?

JONAS Ja, auf jeden Fall, wir freuen uns immer über neue Leute. Wir trainieren immer sonntags ab 13 Uhr im Hofgarten und Donnerstag abends in einer Halle, wo ab dem kommenden Jahr auch Vereinsexterne mit rein dürfen. Außerdem bieten wir donnerstags um 16 Uhr auf der Poppelsdorfer Allee ein Kindertraining an, natürlich dann mit etwas kleineren Pompfen.