Beschlossene Sache

RUBRIK SP-BESCHLÜSSE  Das 38. Studierendenparlament hat erneut viele Dinge beschlossen. Wie immer sind unter den Beschlüssen alte Bekannte und einige Neuerungen – ausgewählte Beschlüsse stellen wir hier vor.

VON MAX DIETRICH

Das 38. Studierendenparlament beim debattieren (Foto: Max Dietrich / AKUT)

23.05.2016
Anerkennung der Abstimmung zur UniCard
Zwar wurde bei der Urabstimmung im Januar das nötige Quorum von 20 % nicht erreicht, die große Mehrheit der abgegebenen Stimmen sprach sich jedoch sowohl für die Einführung als auch für eine Beteiligung der Studierendenschaft an den entstehenden Kosten aus.

Mit diesem vom RCDS eingebrachten Antrag wurde das Ergebnis der Urabstimmung mit 8 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen angenommen.

23.05.2016
Mitveranstaltung der Demonstration gegen die Schließung der ZB MED
Das Studierendenparlament spricht sich für eine aktive Beteiligung der Studierendenschaft an der Demonstration gegen die Schließung der ZB MED aus und legitimiert die Bewerbung dieser durch den AStA.

Das Studierendenparlament entschied hier stellvertretend für die Gesamt-AStA-Sitzung. Die besagte Demonstration fand am 24.05.2016 statt.

23.05.2016
Kooperationsvertrag Freitisch mit dem Studierendenwerk
Die Studierendenschaft beteiligt sich mit bis zu 2500 Euro pro Semester an der Ausrichtung des Freitischs für Studierende in sozialen Härtefällen.

Der Freitisch richtete sich vormals an syrische Studierende, dieses Angebot wird jetzt auf alle bedürftigen Studierenden ausgeweitet.

23.05.2016
Veröffentlichung der Ausschussprotokolle
Die Sitzungsprotokolle der SP-Ausschüsse werden gleich den Sitzungsprotokollen des Studierendenparlaments online verfügbar gemacht.

Mit diesem Antrag soll die Ausschussarbeit deutlich transparenter werden, da deren Protokolle der Studierendenschaft nun besser zugänglich sind.

23.05.2016
Finanzantrag: AStA-Sportreferat: Minitrampoline
Das Studierendenparlament genehmigt 1514,80 Euro für die Anschaffung von zehn neuen Minitrampolinen.

Die Anschaffungen waren bereits von der Obleuteversammlung beschlossen worden und bedurften nun noch der Zusage durch das Studierendenparlament.

08.06.2016
Wahl AKUT-Chefredakteurin
Das Studierendenparlament wählt eine neue AKUT-Chefredakteurin.

Die neue Chefredakteurin heißt Linnéa Nöth. Sie löst Alexander Grantl ab, welcher vier AKUT-Ausgaben verantwortet hat.

08.06.2016
Haushaltsplan
Das Studierendenparlament beschließt den vom Finanzreferenten ausgearbeiteten Haushaltsplan für das Haushaltsjahr 2016/17.

Der Haushaltsplan entspricht im Wesentlichen dem letzten Nachtragshaushaltsplan.

08.06.2016
Deutsche Hochschulmeisterschaft Judo 2016
Um die Durchführung der Hochschulmeisterschaft Judo, die dieses Jahr in Bonn stattfindet, zu ermöglichen, unterstützt die Studierendenschaft diese mit 5000 Euro.

Die Hochschulmeisterschaft fand am 10. und 11. Dezember 2016 in der Hardtberghalle in Bonn statt.

06.09.2016
Kooperation mit La Familiär e.V.
Da es sich bei diesem Projekt formell nicht um eine KiTa handelt, kann nicht auf gängige Fördermittel zurückgegriffen werden. Das Projekt wird daher vom AStA Bonn unterstützt, diese Förderung wird nun fortgesetzt.

La Familiär bietet studierenden Eltern ein Betreuungsangebot für Kinder unter 3 Jahren.

19.10.2016
Förderung Wohnen für Hilfe
Der Vertrag der bisherigen, langjährigen Organisatorin des Projekts im AStA wird verlängert, um den Fortbestand und weiteren Ausbau zu ermöglichen.

Über das Projekt Wohnen für Hilfe haben wir in AKUT-Ausgabe Nr. 341 berichtet.

27.10.2016
Position zur Fachschaftswahlordnung
Das Studierendenparlament lehnt eine Änderung der Fachschaftswahlordnung ab. Diese sieht als bevorzugte Wahlmethode Direktwahl vor. Das SP möchte es Minderheiten ermöglichen, Antrag auf Listenwahl zu stellen.

Das Für und Wider der beiden Wahlsysteme läss sich nur schwer objektiv belegen. Die Fachschaftskonferenz bevorzugt Direktwahl, da diese weniger Aufwand bedeutet.

24.11.2016
Studieren ohne Grenzen
Mit der Bewilligung dieses Antrags unterstützt die Studierendenschaft zwei Veranstaltungen der Gruppe „Studieren ohne Grenzen“ mit insgesamt 170 Euro.

Studieren ohne Grenzen setzt sich für bedürftige Studierende aus Kriegs- und Krisenregionen ein. Die genannten Informationsveranstaltungen sind ein Filmabend und ein Abendessen.


Ein Zauberer der Worte

BUCH Merlin Monzel – nicht nur sein Vorname lässt Mystisches vermuten. Auch die literarische Welt, die der in Bonn studierende Jungautor zum Leben erweckt hat, ist nicht weniger geheimnisvoll. Der AKUT verrät er, weshalb er das WOKI liebt und auch vor „substantiellem Trash“ nicht zurückschreckt.

INTERVIEW LINNÉA NOETH

AKUT Du hast deinen Roman schon mit zwölf Jahren geschrieben, wie kam es, dass du ihn erst 2014 veröffentlicht hast?

MERLIN Ich habe lange Zeit versucht, einen Verlag zu finden, was als Kind leider nicht so einfach ist. Zwischendurch hat das Manuskript einfach nur in meiner Schublade gelegen und niemand hat es beachtet. Erst 2014 habe ich schließlich eine positive Rückmeldung bekommen. Dafür bin ich dem S.MO-Verlag bis heute sehr dankbar.

AKUT Der zweite Band ist gerade auf den Markt gekommen. Ist ein dritter geplant?

MERLIN Tatsächlich entstand die Handlung für den dritten Band bereits mit der Handlung des zweiten Bandes, weshalb im zweiten Band zahlreiche Anspielungen zu finden sind. Persönlich bin ich sogar sehr stolz auf die Handlung des dritten und voraussichtlich letzten Bandes, der aufgrund meines Genrewechsels aber wahrscheinlich noch ein wenig warten muss.

AKUT Wie kamst du dazu, deine Geschichte um phantastische Wesen wie Drachen zu spinnen? Wer oder was hat dich dazu inspiriert?

MERLIN Aufgrund eines defekten Sprunggelenkes habe ich mehrere Monate in einer Klinik gelegen, was man sich dementsprechend langweilig vorstellen kann. Mein Zimmergenosse mochte Drachen und andere fantastische Wesen, weswegen ich irgendwann angefangen habe, kleine Geschichten für ihn zu erfinden. Am Anfang des ersten Teils bemerkt man vielleicht sogar noch, dass der komplette Roman aus zahlreichen Kurzgeschichten entstanden ist. Erst später habe ich diese zu einer komplexen Handlung zusammengefügt.

AKUT Planst du, in Zukunft über realistische Themen zu schreiben, oder wirst du bei deinen Drachen bleiben?

MERLIN Das ist dann wohl der Moment, an dem ich über meinen bereits erwähnten Genrewechsel sprechen kann. In meinem Leben habe ich selbst kaum Fantasy gelesen und mich mehr für andere Genres interessiert. Im Moment schreibe ich an einem Roman, der am ehesten in die Sparte „Mystery“ fällt, ich selbst bezeichne ihn auch gerne als „substantiellen Trash“. Im Prinzip geht es mir darum, eine philosophische Botschaft mit möglichst drastischen Mitteln zu verbreiten. Vor Gewalt und sexuellen Darstellungen schrecke ich nicht zurück. Das Buch ist im Gegensatz zu „Narradonien“ realistisch gehalten, spielt aber auf zwei Ebenen: Die eine ist unsere wirkliche Welt, die andere eine Art mythologische Allegorie. Wie bei E.T.A. Hoffmanns Sandmann weiß man nie mit Sicherheit, was gerade Wirklichkeit ist und was nicht.

AKUT Wer sind deine literarischen Vorbilder?

MERLIN Ich habe eben ja bereits E.T.A. Hoffmann erwähnt, dessen Stil mir sehr gefällt. Mein neustes Werk nimmt aber auch Bezug auf Autoren wie Markus Zusak, der mit „Der Joker“ übrigens mein Lieblingsbuch geschrieben hat, und Anonymous, dessen „Bourbon Kid“-Reihe die sprachliche Gestaltung meiner Gewaltszenen stark beeinflusst hat. Am besten bekannt sollte den Lesern jedoch Stephen King sein, den ich vor allem aufgrund seines Mutes schätze. Er schreibt einfach, was er schreiben will und nimmt dabei keinerlei Rücksicht auf Leser und Konvention.

AKUT Wenn dich die Literatur so begeistert, warum hast du dich dann ausgerechnet für ein Psychologie- Studium und kein Studium der Literatur entschieden?

MERLIN Der zweite Teil der Frage lässt sich einfacher beantworten als der erste. Tatsächlich hatte ich kurz darüber nachgedacht, Literatur zu studieren, mich dann allerdings dagegen entschieden. Ich möchte meiner Kreativität freien Lauf lassen und mich nicht an irgendwelche literarischen Regeln halten. Meiner Meinung nach kann jeder schreiben, nicht nur studierte Autoren. Psychologie habe ich hauptsächlich gewählt, weil es mich interessiert. Vollkommen unabhängig vom Beruf des Autors wollte ich mich weiterbilden. Sollte mir das Studium jedoch dabei helfen, die Psyche des Menschen besser zu verstehen und in meine Werke einfließen zu lassen, so nehme ich das gerne an. Das Werk, an dem ich gerade arbeite, ist von einem Psychothriller schließlich nicht mehr weit entfernt.

AKUT Warum ist die Wahl deines Studienortes ausgerechnet auf Bonn gefallen?

MERLIN Ganz klar aufgrund der Rechtspsychologie. Kaum eine andere Universität bietet dieses Modul an, weswegen ich mich für Bonn entschieden habe. Als ganz kleiner Junge wollte ich Jura studieren und so habe ich für mich die Verbindung zwischen Jura und Psychologie geschaffen.

AKUT Was ist dein Lieblingsort hier in Bonn?

MERLIN Definitiv das WOKI. Wenn man einfach mal nur entspannen oder sich inspirieren lassen möchte, ist die wöchentliche Sneak genau der richtige Ort. Wäre bestimmt auch total cool, in einem der Kinosäle eine Lesung zu halten…

AKUT Und weshalb gehst du dann so oft zum Pub-Quiz im Fiddler’s?

MERLIN Das habt ihr aber gut recherchiert. Ich würde sagen, weil Quizzen einfach Spaß macht. Die Challenge interessiert mich und natürlich auch das Zusammensein mit meinen Freunden.

AKUT Zum Abschluss noch drei Gründe, weshalb man die „Narradonien“- Reihe lesen sollte.

MERLIN Gute Frage. Ein Grund ist wahrscheinlich, dass vor allem der erste Roman einen Teil unserer kindlichen Seele widerspiegelt. Wer wollte als Kind nicht auch mal ein Buch schreiben? Ich habe es aufgrund einiger glücklicher Umstände geschafft, meine kindliche Phantasie in ein Buch zu packen und nahezu ungefiltert der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mein zwölf jähriges Ich war vielleicht kein Profi, aber mit Sicherheit authentisch. Ein zweiter Grund ist natürlich die spannende Story. Es geht um eine Heldenreise. Um eine Reise des Erwachsenwerdens. Aus diesem Grund ist die Reihe vielleicht eher für Jüngere geeignet. Viele bekannte Themen werden auf neue, mitreißende Art und Weise aufbereitet. Der letzte Grund ist zugleich auch der wichtigste: Man sollte die Reihe lesen, wenn man neugierig ist. Neugierde treibt uns an und bringt uns dazu, neue Dinge auszuprobieren. Warum sollte man immer nur alte Klassiker oder berühmte Bestseller lesen? Vielleicht ist es ja an der Zeit, sich mal auf etwas Unbekanntes einzulassen. Wenn dieses Interview also Interesse in euch weckt, solltet Ihr die „Narradonien“-Saga lesen!

Das Spiel der Helden

JUGGER – DAS SPIEL Wer öfter einmal am Hofgarten vorbeikommt, der hat sie bestimmt schon einmal gesehen: Grün gekleidete Gesellen, die sich scheinbar mit Morgensternen und übergroßen Wattestäbchen bewaffnet duellieren. Doch hinter dem scheinbaren Chaos steckt ein Spiel von Geschwindigkeit und Präzision.

VON MAX DIETRICH

Der Sport, um den es sich hier dreht, heißt Jugger und entspringt ursprünglich einer australischen Filmvorlage mit dem wunderbar epischen Titel „The blood of Heroes“. In diesem Film, der vom Stil her wie einer der frühen „Mad Max“-Filme anmutet, finden die Bewohner einer post-apokalyptischen Welt kurzfristige Zerstreuung durch „das Spiel“, eben dem Ursprung von Jugger. Daraus wurde Anfang der 90er in Heidelberg im Zuge eines Live-Rollenspiels ein realer Sport entwickelt, der sich mitwerweile in ganz Deutschland verbreitet hat. Gespielt wird Jugger auf einem rechteckigen Feld von 40 Metern Länge mal 20 Meter Breite, bei dem die Ecken jedoch ausgespart werden. Ein Spiel ist in Spielzüge unterteilt, zu deren Beginn sich die Spieler an den Grundlinien aufstellen, und der Ball, genannt „Jugg“, in der Mitte platziert wird. Ein Spielzug endet, wenn es einem der Teams gelingt, den Jugg in das gegnerische „Mal“, also das Tor, zu stecken. Während eines Spielzugs verstreicht fortlaufend die Gesamtspielzeit, die in „Steinen“ gemessen wird. Ein Stein dauert 1,5 Sekunden, ein Spiel dauert 100 Steine. Zwischen den Spielzügen jedoch bietet sich für die Teams Gelegenheit für Strategiebesprechungen oder Positionsänderungen, so dauert eine Partie insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten Es treten zwei geschlechtergemischte Mannschaften à 8 Spielern gegeneinander an, von denen jedoch nur 5 gleichzeitig an einem Spielzug teilnehmen. In jedem Spielzug stellt einer davon den Läufer, der als einziger den Jugg bewegen darf. Die anderen Spieler sind mit den typischen Waffen, den Pompfen, ausgerüstet, und verteidigen den Läufer vor dem gegnerischen Team. Die Pompfen sind gepolsterte Keulen in verschiedenen, festgelegten Längen, desweiteren gibt es Rundschilde und eine morgensternartige Kette. Wird ein Spieler von einem gegnerischen Pompfen getroffen, muss er sich für eine gewisse Zeit hinknien und darf nicht am Spielgeschehen teilnehmen. Es gewinnt das Team, das nach Verstreichen der Spielzeit die meisten Punkte durch Platzieren des Juggs in das Mal erzielt hat. Was dabei herauskommt ist ein Sport, der gleichzeitig Geschwindigkeit und Präzision erfordert. Den Spielern muss es gelingen, das gegnerische Team durch Niederhaltung zu kontrollieren und dem eigenen Läufer das Punkten zu ermöglichen,

Wir haben die Juggmen am 04.12.2016 bei ihrem Training im Hofgarten besucht und dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden Jonas Breull-Wierschem einige Fragen gestellt.

AKUT Wie kam es zur Gründung der „Flying Juggmen“?

JONAS Die Juggmen wurden 2012 von Bonner Studierenden gegründet, die sich damals die Ausrüstung aus Münster besorgt hatten. Damals waren es nur fünf bis sechs Leute. Seit August sind wir ein eingetragener Verein, allerdings unter dem Namen Jugger Bonn-Rhein-Sieg.

AKUT Wie würdest du Jugger kurz und knapp beschreiben?

JONAS Wir beschreiben Jugger immer als eine Mischung aus Rugby und Fechten. Das Zusammentreffen in der Mitte des Feldes ähnelt dem Rugby. Allerdings kommt es dann beim Kampf mit den Pompfen viel mehr auf Präzision und Geschwindigkeit an als auf Kraft, das hat viel mit dem Fechten gemeinsam. Aus Sicht der Läufer kommen dann noch Aspekte des Ringens hinzu, wenn sie um den Jugg kämpfen.

AKUT Was macht die Faszination von Jugger aus?

JONAS Zum einen die Vielseitigkeit. Jugger verbindet Elemente des Schwertkampfs, die ja eine gewisse archaische Faszination ausüben, mit einer Mannschaftssportart. Man kann Jugger nur zum Spaß spielen, oder sich professionalisieren und bei Turnieren antreten, wie wir das tun. Zum anderen ist es ein sehr faires Spiel. Bei Turnieren gibt es zum Beispiel vier Schiedsrichter, die genau gucken, wann jemand getroffen wurde.

AKUT Die Juggmen spielen in der Jugger-Liga und nehmen an Turnieren teil. Wie muss man sich das vorstellen?

JONAS Es gibt ein Ranking-System mit allen Mannschaften, die jemals ein Turnier besucht haben. Davon sind vielleicht 200 Mannschaften aktiv, die meisten davon aus Deutschland. Je nachdem, wie eine Mannschaft auf verschiedenen Turnieren dann abschneidet, wird sie in diesem Ranking eingeordnet. Wir belegen dort im Moment Rang 16, das ist schon ziemlich stark.

AKUT Jugger ist ja eine vergleichsweise junge Sportart. Wie siehst du die Entwicklung der letzten Jahre?

JONAS Es ist toll zu beobachten, wie Jugger an Bekanntheit wächst. Es entstehen überall neue Teams, die Turniere werden größer, alles wird insgesamt professioneller. Auch bei uns hat sich einiges getan, durch die Gründung des Vereins haben wir jetzt beispielsweise Zugang zu einer Halle, in der wir Trainieren können.

AKUT Was für Reaktionen bekommt ihr denn, wenn ihr hier in Öffentlichkeit trainiert?

JONAS Die meisten Leute sind einfach interessiert. Es macht auch viel aus, dass wir unsere eigenen Trikots haben, so sieht alles natürlich schon mal etwas professioneller aus. Wir beantworten immer gerne Fragen; die meisten Leute sind zum Beispiel überrascht, wie leicht so eine Pompfe in Wirklichkeit ist.

AKUT Wenn man Interesse hat, bei euch mitzumachen, kann man da einfach vorbeikommen?

JONAS Ja, auf jeden Fall, wir freuen uns immer über neue Leute. Wir trainieren immer sonntags ab 13 Uhr im Hofgarten und Donnerstag abends in einer Halle, wo ab dem kommenden Jahr auch Vereinsexterne mit rein dürfen. Außerdem bieten wir donnerstags um 16 Uhr auf der Poppelsdorfer Allee ein Kindertraining an, natürlich dann mit etwas kleineren Pompfen.

Ersti-Survival-Guide

HERZLICH WILLKOMMEN Das Wintersemester hat begonnen, das heißt vor allem, dass die Uni wieder jede Menge neue Erstis begrüßt. Du bist neu an der Uni? Dann sind hier zehn (nicht ganz so seriöse) Tipps, die deinen Einstieg in den Uni-Alltag erleichtern könnten.

VON CHARLOTTE KÜMPEL

1. Hol’ dir eine Ersti-Tüte.
Der vermutlich wichtigste Tipp auf dieser Liste. Er gilt übrigens nicht nur für Erstis, sondern für jeden, der auf Gratis-Sachen steht. Jedes Semester aufs Neue werden Ersti-Tüten im Innenhof des Hauptgebäudes sowie im Juridicum verteilt, die meistens zwar zu 80% aus Flyern und Coupons bestehen, aber auch überlebenswichtige Dinge wie pizza.de-Kugelschreiber, Chips oder Energy Drinks enthalten. Um eine der begehrten Tüten zu bekommen, muss man jedoch meistens ganz schön lange anstehen, aber von nix kütt nix!

2. Bei einem leckeren Kölsch lernt man schnell Leute kennen.

Du hast die Ersti-Woche verpasst undkennst noch keine Kommilitonen? Keine Sorge, damit bist du nicht allein. Als Studierender hast du am laufenden Band (alkoholbasierte) Möglichkeiten, neue Leute kennenzulernen. Wenn deine Fachschaft cool ist, bietet sie auch während des Semesters Kneipentouren oder Flunkyballturniere an. Außerdem hat man jedes Semester die Chance, den sogenannten „Kneipenbachelor“ zu machen.

3. Finde dich mit BASIS ab.
Ganz ehrlich, BASIS ist schrecklich. Es gibt keinen Bonner Studierenden, der noch nicht an dem Vorlesungsverzeichnis verzweifelt ist. Grundsätzlich gilt: du bekommst fast nie, was du willst. Das hast du wahrscheinlich bereits bei der Veranstaltungsbelegung für das erste Semester erlebt.
120 Bewerber auf 30 Plätze? Standard. Falls du auch nur einen Kursplatz bekommen hast, den du wirklich haben wolltest, dann kannst du dich bereits ziemlich glücklich schätzen. Manchmal muss man die schlimmen Dinge im Leben einfach akzeptieren!

4. Lass dich auf jeden Fall mal vom Alle-mal-malen-Mann malen.
Alle mal was? Auch wenn dir dieser Mann noch kein Begriff ist, wirst du spätestens nach deinem ersten Abend in einer Bonner Kneipe wissen, wer gemeint ist. Auf den Bildern des Alle-mal-malen-Manns könnte man zwar meinen, dass die gemalten Personen immer eine gewisse Ähnlichkeit zueinander aufweisen, jedoch sollte sich jeder von der lokalen Berühmtheit zumindest einmal porträtieren lassen. Wenn er also auf seinem kleinen Fahrrad angefahren kommt und in die Runde „Alle mal malen, hier?“ fragt, dann sag bloß nicht nein.

5. Es gibt keine Anwesenheitspflicht mehr.
Nutze diese Tatsache, zumindest in deinem ersten Semester. Während man bis vor zwei Jahren nur zweimal pro Kurs im Semester fehlen durfte, reicht es heute schon fast, nur zweimal hinzugehen. Zugegeben, wenn du den Kurs bestehen möchtest, dann reicht das vielleicht nicht. Aber es nimmt dir auch keiner übel, wenn du am morgen nach deiner Fachschaftsparty nicht um 8 Uhr in der Vorlesung sitzt. Lerne, Prioritäten zu setzen!

6. Sag immer ja zu Bonuskarten!
Bonuskarten sind toll. Sie vermitteln dir das Gefühl, dass du als Stammkunde wirklich wichtig bist. Ob Kaffee, Bücher oder Frisörbesuch: beim elften Mal ist’s umsonst! Eine gute Marketingstrategie mit dem Ziel, den Kunden zu halten. Es funktioniert. Studierende lieben Gratis- Sachen! In meinem Portmonnaie befinden sich grundsätzlich mehr Bonuskarten als Geld, und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie einlösen kann. Daher lautet der sechste Tipp dieser Liste: Nimm jede Bonuskarte, die du kriegen kannst!

7. Die ULB ist kein Laufsteg.
Oder doch? Wenn man im Lesesaal sitzt, um für anstehende Klausuren zu lernen oder seine Hausarbeit zu schreiben, könnte man schnell den Eindruck bekommen, dass es sich bei der ULB nicht um eine Bibliothek, sondern um das Casting für die nächste Staffel von Germany’s Next Topmodel handelt. Sehen und gesehen werden ist hier anscheinend für viele das Motto. Andauernd stolzieren balzende Männlein und Weiblein an einem vorbei, eingehüllt in eine Duftwolke, die so enorm ist, dass man sie auf der Zunge schmecken kann. Hohe Schuhe sind hier auch keine Seltenheit, was besonders bei den Personen nervt, die alle zehn Minuten für eine wohlverdiente Kaffeepause rausrennen. Dabei lässt es sich in gemütlichen Klamotten doch viel besser lernen!
Und wenn wir schon dabei sind: Wenn du keinen Laptop dabeihast, dann blockier bitte keine Plätze mit Steckdose!

8. Sei kein Schleimer.
Eigentlich sollte dieser Punkt klar sein, aber es kommt wirklich immer wieder vor. Anders als in der Schule gibt es in der Uni keine Kopfnoten. Am Ende zählt nur deine Prüfungsleistung. Den meisten Dozenten ist es egal, wer du bist, denn für sie bist du nur eine personifizierte Matrikelnummer von vielen. Also vermeide es, in der Vorlesung sinnlose Fragen zu stellen, nur um dem Dozenten zu zeigen, dass es dich gibt. Es sei denn, du möchtest, dass deine Kommilitonen von dir genervt sind.

9. Lade dir nützliche Apps herunter.
Dein bester Freund in langweiligen Pflichtvorlesungen: dein Smartphone. Traurig, aber wahr. Neben den bekannten Apps wie Instagram und Snapchat gibt es jedoch noch weitere Apps, die auf deinem Handy nicht fehlen sollten. Mit der Uni Bonn-App kannst du beispielsweise schon mal den Mensaplan checken um deine Mittagspause zu planen. Dank der Jodel-App weißt du immer, was an der Uni gerade los ist und mit Scanner-Apps kannst du schnell und einfach die Mitschriften deines Kommilitonen in ein PDF umwandeln, falls du in der letzten Vorlesung gefehlt hast (natürlich nur, wenn du vorher gefragt hast).

10. Last but not least:
Lass deinen Abipulli zuhause! Diesen Fehler haben wahrscheinlich schon viele bei der Einschreibung begangen. Abipullis sollten, auch wenn das Abimotto deiner Stufe noch so lustig war und er ja so gemütlich ist, wirklich nur zuhause getragen werden. Wirklich jeder hier hat Abitur, da es nun mal die Voraussetzung für das Studium ist. Den Abipulli zur Vorlesung zu tragen ist also ungefähr so, als würdest du deinen Studentenausweis an einer Kette um den Hals tragen.

 

Die Macht der Gene

RUBRIK BONN, DEINE LEHRENDEN Die Forschung von Prof. Dr. Martin Reuter verbindet die Psychologie mit der Molekulargenetik. Im AKUT-Gespräch macht er deutlich, dass die Psychologie schon lange nicht mehr in den psychoanalytischen Kinderschuhen steckt und mittlerweile eine gestandene Naturwissenschaft ist.

INTERVIEW LINNÉA NOETH

 

AKUT Gemeinhin wird die Psychologie nicht unbedingt mit genetischer Forschung assoziiert. Wie passen die beiden Themenfelder zusammen?

REUTER Die Psychologie beschäftigt sich hauptsächlich mit menschlichem Verhalten. Hier setzt auch die Verhaltensgenetik an, die erforscht, inwiefern ein Phänotyp – ein bestimmtes Merkmal eines Menschen – durch Umwelteinflüsse oder eben die Gene beeinflusst wird. Mit Hilfe statistischer Methoden kann man dann die Stärke dieser beiden Varianzquellen schätzen. Eine Determinante, die unser Verhalten entscheidend beeinflusst, ist unsere Persönlichkeit. Erblichkeitsschätzungen für Persönlichkeitseigenschaften, wie z.B. Extraversion oder Ängstlichkeit, liegen ungefähr bei fünfzig Prozent, was belegt, dass die Variation im Verhalten, die man in einer bestimmten Situation zeigen kann, sehr stark von der Persönlichkeit beeinflusst wird. Zum Beispiel wird eine extravertierte Person gewiss eher auf das Angebot eingehen, spontan auf eine Party zu gehen, als eine introvertierte Person.

AKUT Was haben unsere Gene damit zu tun?

REUTER Mittlerweile hat man viel Evidenz, die darauf hinweist, dass Phänotypen wie Persönlichkeit, Intelligenz, aber auch psychopathologische Erkrankungen wie Depression stark genetisch bedingt sind. Deswegen ist es meiner Meinung nach notwendig, zu wissen, welche Gene genau den statistisch errechenbaren „genetischen Anteil“ ausmachen. Wenn man weiß, weshalb Menschen sich in ihrer Anfälligkeit für Krankheiten unterscheiden, kann man auf dieser Basis auch an Medikamenten forschen, die spezifisch zu den Patienten passen.

AKUT Das klingt plausibel. Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie in diesem Gebiet forschen?

REUTER Nach meiner Promotion in Würzburg ging ich als Postdoc zurück nach Gießen, wo ich zuvor studiert hatte. Der Lehrstuhlinhaber für differentielle und Persönlichkeitspsychologie hatte zu der Zeit die Vision, die Psychologie und die Molekulargenetik zusammenzuführen und hat mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, ein molekulargenetisches Labor aufzubauen.

AKUT Dann stammt die Idee der Verknüpfung von Molekulargenetik und Psychologie also aus Gießen?

REUTER Nein, es gab schon vorher Kollegen in der Psychologie, die sich mit Molekulargenetik beschäftigt haben. Im Unterschied zu uns haben sie die Gen-Proben aber nicht selbst ausgewertet, sondern haben die Proben zur Analyse in Fremdlabors geschickt. Gerade in der Genetik finde ich es wichtig, dass man weiß, was genau man da macht. Jemand, der sich lediglich theoretisch mit der Thematik auseinandersetzt, der seine Proben zur Analyse an andere Labore schickt, hat überhaupt nicht die Möglichkeit, aktiv am Forschungsprozess mitzuwirken oder neue Ideen zu entwickeln. Man kann sich dann auch nie sicher sein, ob die Ergebnisse, die man von kommerziellen Firmen erhält, korrekt sind. Und das ist ein Risiko, das man nur ungern eingehen sollte.

AKUT Wie ging es für Sie weiter, nachdem Ihre Arbeit in Gießen beendet war?

REUTER Als ich vor zehn Jahren den Ruf nach Bonn erhalten habe, war es für mich klar, dass das ganze Engagement, welches ich in Gießen in die genetische Forschung gesteckt hatte, nicht umsonst gewesen sein sollte. Also habe ich mich um Forschungsgelder bemüht, um hier in Bonn wenigstens auf minimalem Niveau forschen zu können. Mittlerweile sind wir aber so weit, dass wir Massenspektrometrie nutzen oder Klonierungsexperimente durchführen können. Man kann sagen, dass sich der Standard, über den wir hier in Bonn verfügen, deutlich von anderen Laboren in diesem psychologischen Forschungsgebiet abhebt.

AKUT Sie beschäftigen sich mit „Persönlichkeit, Intelligenz und Kreativität“. Wie hängen diese drei Aspekte zusammen?

REUTER Persönlichkeit ist viel mehr als das, was ein Persönlichkeitstest misst. Ähnlich ist es mit Intelligenz. Wer versucht, eine ihm oder ihr bekannte Person zu beschreiben, nutzt dazu auch Worte wie „clever“ oder „schlau“ – doch diese Attribute werden in Persönlichkeitstests kaum gemessen. Wie auch der Persönlichkeitsforscher Guilford schon sagte, gehören aber kognitive Fähigkeiten wie auch Kreativität mit zum Gesamtbild der Persönlichkeit. Auch soziale Intelligenz ist ein wichtiger Forschungsgegenstand – nur ist die Forschung hierzu nicht allzu erfolgreich, weil man sie nicht so gut messen kann. Das, was man gemeinhin als Intelligenz versteht, ist auch interdisziplinär von Belang, wie z.B. für die Ökonomie und Wirtschaftspsychologie, die Arbeits- und Organisationspsychologie. Denn mittlerweile weiß man, dass Intelligenz einer der besten Prädiktoren für Berufserfolg ist.

AKUT Sie wollen Ihre Grundlagenforschung mit Anwendungsfragen verknüpfen, die auch das Arbeitsleben betreffen. Aktuell führen Sie ein Forschungsprojekt zum Thema „Burnout“ durch. Worum geht es da?

REUTER Das Problem ist, dass in den Medien zwar immer wieder über Burnout berichtet wird – dabei ist „Burnout“ bisher noch keine anerkannte Diagnose. Wer den Verdacht hat, an einem Burnout zu leiden, wird von den behandelnden Ärzten oder Therapeuten meist als „depressiv“ eingestuft. Das liegt daran, dass die Krankenkassen die Leistungen nur bei der Diagnose „Depression“, nicht aber bei „Burnout“ übernehmen.

AKUT Glauben Sie, dass sich das in Zukunft ändern könnte?

REUTER Ehrlich gesagt, nein. Es gibt einige Arbeitgeber oder Funktionäre im Gesundheitswesen, die es als nachteilig ansehen würden, wenn sich mehr Patienten mit ihrem Anliegen zum Arzt trauten. Die soziale Stigmatisierung, die die „Depression“ heute immer noch mit sich bringt, entsteht bei Patienten, die davon ausgehen, an Burnout zu leiden, nämlich nicht so schnell. Trotzdem sind viele Psychiater auch davon überzeugt, dass es sich bei Burnout „nur“ um eine Vorstufe der Depression handle, da sich die Symptome teilweise überschneiden.

AKUT Wie sehen Sie das?

REUTER Meiner Meinung nach besteht ein Unterschied zwischen Burnout und Depression. Ein Burnout-Patient wird seine Symptome nämlich immer auf seine Arbeit oder sein Studium zurückführen. Früher unterschied man in der Psychiatrie die „endogene“ von der „exogenen“ Depression; wobei unter die endogene Depression so etwas wie plötzlich auftretende Melancholie fällt. Bei einer exogenen Depression weiß der Patient genau, weshalb es ihm schlecht geht. Er kennt also die Ursache für sein Leiden.

AKUT Gibt es denn eine Methode, um herauszufinden, ob sich Depression und Burnout unterscheiden?

REUTER Genau daran forschen wir aktuell. In unserem Projekt testen wir genetische Marker rein depressiver Patienten gegen die von Burnout-Patienten und solchen, die von beidem betroffen sind. Als Kontrollgruppe nehmen wir eine Stichprobe aus der Bevölkerung. Wobei man die arbeitende Bevölkerung gar nicht so richtig als Vergleich heranziehen kann, weil viele bereits ein Burnout-Problem haben. Wenn es uns gelingen sollte, Genorte zu finden, die ausschließlich bei Patienten mit Burnout vorkommen, aber nicht bei den depressiven oder gesunden Probanden, haben wir zumindest einen Hinweis darauf, dass es sich nicht um dieselbe Erkrankung handelt.

AKUT Was sind die Anzeichen dafür, dass man einen Burnout haben könnte?

REUTER Wenn man bemerkt, dass man seine Emotionen nicht mehr so spürt wie früher, oder plötzlich kein Interesse mehr an Dingen hat, die man vorher gern getan hat. Ein wichtiges Symptom ist, dass man nicht mehr effektiv arbeiten kann und sich antriebslos fühlt. Wichtig ist, dass man so früh wie möglich Hilfe sucht – egal wie unangenehm einem der Arztbesuch vorkommen mag. Stigmatisierung zu fürchten ist in keinem Fall zielführend.

 

Rabenmutter Alma Mater

AKADEMISCHE KARRIERE Wer nach dem Studium danach strebt, im Lohn und Brot der Alma Mater zu stehen, der muss sich umschauen. Denn nicht immer garantiert eine akademische Karriere die finanzielle Sicherheit, die man sich von der nährenden Mutter wünschen würde.

VON LARS SCHÄFERS

Die Universität als gütige Mutter. Sie nährt uns mit kostbarem Wissen. Sie lindert unseren Bildungshunger, ohne uns je satt zu machen. Die Alma Mater gilt als Hort höchster Bildung und ist seit dem Mittelalter Ort und Symbol für das unermüdliche Streben des menschlichen Geistes nach Erkenntnis. Wem das Forschen schon während der Studienzeit Freude bereitet hat und wer nach dem Studium noch immer wissen will, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, steht vor der Option einer akademischen Karriere. Bleibt der Student seiner Alma Mater treu oder löst er sich von ihrer nährenden Brust, um anderswo sein Karriereglück zu suchen?

Willkommen im Wissenschaftsprekariat
An der Uni bleiben, eine Doktorarbeit schreiben und als wissenschaftliche Hilfskraft, oder besser noch als wissenschaftlicher Mitarbeiter, arbeiten – ein reizvoller Weg für alle, die ihren Wissenshunger zum Beruf machen wollen. Doch wird die Alma Mater dann nicht selten zur Rabenmutter.
Die Rede ist vom sogenannten „akademischen Prekariat“: Befristete Arbeitsverträge, Teilzeitstellen und der größte Sorgenfaktor: Nach einer Frist von maximal 12 Jahren sollte die Professur oder eine andere Dauerstelle erreicht sein, oder es ist endgültig vorbei mit dem Traum einer akademischen Karriere bis zur Rente. Grundlage dieser Arbeitssituation ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (Wiss-ZeitVG), das Sonderarbeitsrecht der wissenschaftlichen Hilfskräfte, Mitarbeiter und Assistenten. Die Befristungs- und Sonderregeln dieses Gesetzes bedeuten mangelnde Planungssicherheit und unklare Perspektiven. Mit Doktortitel und Lehrbefugnis ins Prekariat: So sieht der berufliche Fahrplan für nicht wenige aus. Denn es gibt weit weniger Professur-Stellen als wissenschaftlichen Nachwuchs. Der Traum von einer akademischen Karriere ist also schnell ausgeträumt, insbesondere für denjenigen, der eigentlich gar keine Professur anstrebt, sondern im akademischen Mittelbau seinen Platz im Dienst an der Wissenschaft sieht. Das ist ein skandalöser Zustand für ein Land, das Exzellenzinitiativen startet und „Bildungsrepublik“ sein will.

Eine Novelle ohne viel Neues
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kämpft schon lange für eine grundlegende Erneuerung des WissZeitVG. Ihre Kernforderungen lauten unter anderem: Absicherung der Promotionsphase, Perspektiven für Postdocs, Mindeststandards für befristete Arbeitsverträge, die Einrichtung von Dauer- und Vollzeitstellen im Mittelbau sowie eine familienfreundlichere Ausgestaltung der Karrierewege an den Unis. Letzter Punkt ist besonders wichtig, nicht nur für den heute so gut ausgebildeten weiblichen Nachwuchs in der Wissenschaft: Mit Fristverträgen fehlt die Sicherheit für eine Familiengründung und wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwert. Kein Wunder also, dass laut amtlicher Statistik über 70 Prozent der Nachwuchswissenschaftlerinnen und auch etwa 45 Prozent der Professorinnen kinderlos sind. Auch bei den männlichen Kollegen sieht es nicht viel besser aus. Auch die Politik ist sich dieser Missstände bewusst, eine Novellierung des WissZeitVG wurde immerhin im Dezember vom Deutschen Bundestag beschlossen. Seither muss für jede Befristung wenigstens ein echter Sachgrund vorliegen. Für Nachwuchswissenschaftler mit minderjährigen Kindern können sich die 12 Jahre Maximalbeschäftigungsdauer nun um zwei Jahre je Kind erhöhen. Auch soll die Lage des wissenschaftlichen Nachwuchses künftig genauer statistisch erfasst und untersucht werden. Doch reicht das aus? Die GEW sieht die Novelle zwar als „Etappensieg“, viele ihrer Kernforderungen wurden allerdings nicht umgesetzt.

Karriereplanung mit Idealismus und Hintertürchen
Wer eine akademische Karriere anstrebt, braucht vor allem eines: Eine ordentliche Portion Idealismus. Ebenso eine tiefe Liebe zur Forschung, eine unermüdliche Neugier nach Erkenntnis, das Streben nach Exzellenz sowie nachhaltige Freude am wissenschaftlichen Arbeiten und Publizieren. Und wer weiß, vielleicht ringt sich die Politik eines Tages auch dazu durch, eine wirklich grundlegende Reform des WissZeitVG anzugehen. „Dauerstellen für Daueraufgaben“, ein Kernslogan der GEW, scheint die dringlichste Forderung zu sein. Dabei geht es nicht um die vollständige Ersetzung befristeter Arbeitsverhältnisse – gerade bei Qualifizierungsstellen für Doktoranden und Habilitanden ist eine (adäquate) Befristung sachgemäß. Besser wäre aber, wenn sie grundsätzlich immer auch mit der Tenure-Track-Option, der Zusage einer Dauerstelle, wenn bestimmte Zielvereinbarungen erreicht wurden, verbunden ist. Zur Frage, ob befristet oder unbefristet in der Wissenschaft, sollte es demnach um ein Sowohl als-auch gehen.
Trotz allem: Jeder, der eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, sollte sich jederzeit noch das Hintertürchen einer außeruniversitären Tätigkeit mit entsprechender Kontakt- und Beziehungspflege offenhalten. Manchmal müssen eben auch die treuesten Diener der Wissenschaft, die Nesthäkchen der geliebten Alma Mater, flügge werden.

Mein liebes Bonn, …

BETRIFFT: HEIMAT Früher oder später muss jeder einmal Abschied nehmen. Von einer ehemaligen Hauptstadt in die aktuelle. Oder auch vom kleinen B ins große B. Ich sage bye bye Bonn und hallo Berlin!

VON DOMINIQUE MÜLLER

Mein liebes Bonn, it’s time to say goodbye. Nach stolzen 23 Jahren habe ich mich nun von dir verabschiedet. Ich will ehrlich zu dir sein, besonders schwer ist es mir nicht gefallen. Das bedeutet jetzt aber nicht, dass ich mich während der langen Zeit nicht wohlgefühlt habe. Ganz im Gegenteil eigentlich.
Ich hatte eine schöne Zeit! Aber irgendwann ist halt einfach mal Zeit für etwas Neues. Und ich finde, das kannst du mir eigentlich nicht verübeln.
Du hast wirklich sehr viele schöne Ecken. Ich sag nur Rhein, Universität und Hofgarten, Südstadt, Sternstraße oder Alter Zoll. Nicht zu vergessen das Siebengebirge, das zwar offiziell nicht zu dir gehört, aber ja um die Ecke liegt. Nicht umsonst reisen die Touris dafür an. Und auch wenn du leider zu oft nur als Geburtstort von Beethoven gesehen wirst, hast du doch wesentlich mehr zu bieten. Hinzu kommt, dass du ja echt schon sehr viel erlebt hast und eine spannende Vergangenheit als Bundeshauptstadt vorweisen kannst. Das ist schon echt etwas Besonderes. Es waren ja immerhin stolze 41 Jahre. Ich weiß gar nicht, ob dir überhaupt bewusst ist, welche wichtige Rolle du in der Geschichte Deutschlands und unserer Demokratie gespielt hast. In Bonn wurde schließlich das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland unterschrieben. Darauf kann man schon stolz sein. Auch wenn ich die ersten 20 Jahre meines Lebens in Königswinter und nicht in Bonn gewohnt habe – immerhin recht nah an der Grenze – warst du schon immer der Ort an den ich gefahren bin, wenn ich gesagt habe „Ich fahr‘ mal in die Stadt“. Es hat sich also fast so angefühlt, als wohnte ich in Bonn. Die letzten drei Jahre durfte ich dann in der wunderschönen Südstadt verbringen. Da ist ja ein Haus schöner als das andere. Wirklich klasse!
So schön du auch bist, bin ich doch sehr froh, dass du so nah am ebenfalls schönen Köln gelegen bist. Um ehrlich zu sein bin ich nämlich mehr der Großstadttyp.
Klar, du zählst auch als eine, aber Köln ist da mit seinen knapp über einer Million Einwohnern einfach noch mal eine etwas andere Liga. Nicht dass man in Bonn nichts unternehmen könnte, aber in Köln wird nun mal, vor allem für junge Leute, mehr geboten. Gerade was die abendlichen Aktivitäten betrifft.
Auch wenn ich jetzt eine neue Stadt mein Zuhause nenne und mich dort sehr, sehr wohl fühle, so wirst du doch immer irgendwie meine Heimat bleiben. Ich bin hier aufgewachsen, zur Schule und zur Uni gegangen und verbinde viele Erinnerungen mit dir! Nicht zuletzt, weil meine Eltern noch hier wohnen, werde ich dir ab und an einen Besuch abstatten und einen ausgiebigen Rheinspaziergang machen oder ins Museum gehen. Die Museumsmeile gehört nämlich definitiv zu meinen Lieblingsorten. Und weil „Lass uns Freunde bleiben“ einfach keiner gerne hört, sag ich einfach: Mach’s gut Bonn!
Ich bin ja nicht aus der Welt und schaue ab und an noch mal vorbei. Versprochen!

Editorial | AKUT 342

Liebe Leserinnen und Leser!
Es hat sich einiges verändert im Hause „AKUT“. Und nein, damit ist nicht nur das schlanke Format dieser Ausgabe gemeint, die so prätentiös die Diät-Tipps der Promis bewirbt.

Vielmehr steht beinahe die ganze Redaktion Kopf, seit unser geliebter (ja, wirklich!) Chefredakteur Alexander Grantl seinen Rücktritt angekündigt hat. Denn das Niveau, auf das Alex die AKUT in Amtszeit gehoben hat, ist für uns als blauäugige Nachfolger natürlich eine Hürde, die es zu halten und zu verbessern gilt. Davon werden wir uns natürlich nicht unterkriegen lassen, sondern unser Bestes geben, um den letzten Ausgaben der AKUT gerecht zu werden. Wenn euch dennoch etwas nicht gefallen sollte, was ihr seht und lest, könnt ihr uns gerne einen Leserbrief zukommen lassen, und sei es eine wutbürgerliche Schmähkritik. Hierzu könnt ihr uns auf Twitter, Facebook oder hier erreichen.

Auch wenn der Semesterbeginn schon ein wenig zurückliegt, wollen wir es uns nicht nehmen lassen, den „neuen“ Erstis hier ein kleines Kompendium mit auf den Weg zu geben, das ihnen die Studienzeit ein wenig erleichtern soll. Für Studierende, die sich ihrem Abschluss nähern, könnte ein Gastbeitrag lesenswert sein, der aufdeckt, weshalb der Traum einer akademischen Karriere meist mehr verspricht, als er hält. Als Gegenbeispiel für eine mehr als erfolgreiche akademische Karriere stellen wir in einem Interview den Bonner Psychologie-Professor Martin Reuter vor, der uns verrät, wie unsere Gene und unser Verhalten zusammenhängen. Wer es lieber sportlich mag, kann in unserem Bericht über „Jugger“ eine Sportart kennen lernen, die einer Mischung aus Rugby und Fechten gleicht. Für Fantasy-Liebhaber oder Weihnachtsgeschenk-Suchende bietet sich das Gespräch mit dem
Bonner Jung-Autor Merlin Monzel an, mit dem man in die fantastische Welt von „Narradonien“ eintauchen kann.

Viel Freude beim Lesen!
Max und Linnéa

Das Rektorat auf dem heißen Stuhl

FRAGERUNDE Am 23. Mai und 15. Juni stellten sich Rektor Prof. Hoch und Mitglieder des Rektorats den Fragen der Studierendenschaft. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir hier zusammengefasst.

VON MAX DIETRICH

ONLINE-VORLESUNGEN
Gibt es das Bestreben, die Aufzeichnung und Bereitstellung von Vorlesungen im Internet zu verbessern?
Die Universität stellt mit dem Projekt „Veranstaltungsaufzeichnung und Live-Übertragung“ die nötige Infrastruktur auf eCampus bereit. Für die Aufzeichnung selbst gibt es mobile Lösungen. Die Entscheidung, diese Möglichkeiten zu nutzen, liegt jedoch bei Fakultäten. Eine allgemeine Ausstattung aller Hörsäle mit der nötigen Technik wird jedoch zunächst nicht stattfinden und hat in den Augen des Rektorats auch keine Priorität.

SCHLIESSUNG DER ZB MED
Wie steht das Rektorat zur Schließung der ZB MED?
In den Augen des Rektorats wäre ein Fortbestand der ZB MED wünschenswert. Allerdings kann die Universität auf die Leibniz-Gemeinschaft selbst keinen Einfluss nehmen und eine direkte Assoziation mit den Plakatkampagnen und Demonstrationen ist ihr auch nicht möglich.

RENOVIERUNG
Wie steht es mit der Renovierung des Poppelsdorfer Schlosses?
Ist der Einbau einer Kuppel (Bericht in AKUT-Ausgabe Nr. 340) realistisch?
Das Problem im Fall des Poppelsdorfer Schloss ist, dass man dieses schon vor einiger Zeit an den Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (kurz BLB) weitergegeben hat. Man muss sich so nicht um Belange wie den Brandschutz kümmern, hat aber auch wenig Einfluss über Angelegenheiten wie die Restaurierung. Beim BLB gibt es kaum Bestreben, in die Liegenschaften zu investieren, auch die dazu nötige Kooperation von Finanz- und Wirtschaftsministerium des Landes NRW macht schnelle Lösungen unwahrscheinlich.
Was den Plan von Frank Asbeck hinsichtlich des Einbaus einer Glaskuppel angeht, ist man beim Rektorat skeptisch. Zum einen ließe sich eine öffentliche Nutzung des Schlosses kaum mit dem Lehr- und Forschungsbetrieb vereinbaren, zum anderen stellen sich in Sachen Statik und Denkmalschutz schwerwiegende Bedenken.

BASIS
Was wird getan, um die vielen Probleme von BASIS zu beheben?
Viele Punkte, die von der Studierendenschaft kritisiert werden, etwa das korrekte Einpflegen der Raumnutzung, liegen in der Verantwortung der Studiengangsmanager. Die Qualität ist hier von Fakultät zu Fakultät sehr verschieden. Es gibt kein Bestreben, die Dozenten zur Nutzung des Systems zu verpflichten, jedoch steigen die Nutzerzahlen unter anderem durch das Angebot von Schulungen stark an.

BIBLIOTHEK
Welche Pläne hat die Universität für die Bibliothek der Philosophischen Fakultät, nachdem der geplante Neubau auf dem Gelände des Viktoriakarrees gescheitert ist?
Das Rektorat bespricht hier gerade verschiedene Optionen mit allen Beteiligten. Die erste ist ein Neubau an anderer Stelle, was jedoch bis zu zehn Jahren dauern könnte. Die zweite wäre die Anmietung geeigneter Gebäude, was jedoch aus statischen Gründen schwierig ist. Die dritte und wahrscheinlichste Option ist der Umzug in das Erdgeschoss des Hauptgebäudes, wozu jedoch andere Bereiche ausziehen müssten. Dies könnte man im Zuge einer abschnittsweisen Renovierung des Hauptgebäudes erreichen, indem die jeweiligen Bereiche dann ihre Räume mit denen der Bibliothek tauschen.