Ein Stück weihnachtliches Skandinavien in Bonn

FEST DES LICHTES  Wahrscheinlich hat so manch ein Student im Winter einen weiß gekleideten Chor in der Adventszeit durch das Uni-Hauptgebäude ziehen sehen. Doch nicht alle wissen, dass sie dabei Zeugen eines skandinavischen Festes werden, das auch hier in Bonn seit Jahrzehnten zelebriert wird.

  ►  VON JACQUELINE FANK

 

Jedes Jahr veranstalten die Studentischen Hilfskräfte der Abteilung für Skandinavische Sprachen und Literaturen in Zusammenarbeit mit dem derzeitigen Schwedisch-Dozenten Håkan Westman und der Fachschaft für Germanistik, Komparatistik und Skandinavistik (GeKoSka) zwei Festaktivitäten anlässlich des skandinavischen Lucia-Festes: Am Nachmittag des 13. Dezember zieht der Lucia-Chor durch das Uni-Hauptgebäude und um den 13. Dezember herum findet dann das Lucia-Fest statt. Bei diesem Fest tritt erneut der Lucia-Chor auf. Nach seinem Auftritt wird das skandinavisch inspirierte Buffet eröffnet und es wird gefeiert.

Das Lucia-Fest ist ein skandinavischer Brauch, der am 13. Dezember zelebriert wird. Es ist der Gedenktag der heiligen Lucia. Früher fiel der 13. Dezember auf die Wintersonnenwende, so wie auch das andere skandinavische Fest, der Midsommar, auf die Sommersonnenwende fällt. Traditionell werden beim Fest weiße Gewänder und Kerzen getragen. Heutzutage trägt meistens nur der Chor traditionelle Gewänder und es werden elektrische Kerzen verwendet.

Die Organisation für das Bonner Lucia-Fest beginnt schonfrüh. Laut Benedikt Hufnagel, Studentische Hilfskraft der Skandinavistik und Kultur- und Veranstaltungsreferent der Fachschaft GeKoSka, wird bereits Anfang September begonnen, den passenden Veranstaltungsort zu finden. Die Suche wird von Jahr zu Jahr intensiver, da passende Räume im Bonner Raum schnell vergeben sind. Der Lucia-Chor beginnt ebenfalls ein paar Monate vor dem Fest an mit den Proben. „Es werden traditionelle schwedische Lieder des Lucia Fests eingeübt. Die Teilnahme steht grundsätzlich allen interessierten Personen offen. Es werden auch keine Vorkenntnisse des Schwedischen erwartet; der Dozent probt die Songs mit allen Interessierten so ein, dass auch Sprachfremde sie perfekt vortragen können“, so Benedikt Hufnagel. Stehen die Räumlichkeiten und der Chor ist die größte Organisationsarbeit geschafft, die restliche ist dann nicht mehr ganz so zeitinvestiv, auch weil die Abläufe sich über die Jahre gut eingespielt haben.

Besonders macht die Veranstaltung vor allem die Atmosphäre des Festes. Benedikt Hufnagel beschreibt diese so: „Alles, was man an dem Abend vorfindet und erlebt, ist unter der tatkräftigen Unterstützung der Gemeinschaft entstanden. Es herrscht eine sehr familiäre Stimmung und es fällt einem dort auch leicht, neue und interessante Personen kennen zu lernen. Es ist ein Fest von allen für alle.“

Dieses Jahr findet das Lucia-Fest am 14. Dezember ab 17 Uhr in der ESG Bonn (Königstraße 88, Bonn) statt. Für nur 5€ könnt ihr an diesem Fest teilnehmen, Essen und Trinken ist im Preis inbegriffen. Wenn ihr etwas zum Buffet beitragt, ist der Eintritt sogar kostenlos. Buffetlisten liegen dafür im Geschäftszimmer der Skandinavistik aus. Dort sind auch die Eintrittstickets (Biljetter) erhältlich, diese können natürlich auch am Abend selber beim Fest gekauft werden.

Unsere Redakteurin Jacqueline ist Mitglied der Fachschaftsvertretung Gekoska. (Anm. d. Redaktion)

Hier spielt die Musik! Noch.

Das Kulturprogramm der Universität Bonn steht kurz vor dem Schiffsbruch: Diverse Kürzungen verstümmeln das Studium universale und seit der Akademische Musikdirektor seinen Posten zum Ende des Wintersemesters geräumt hat, steht das Collegium musicum ohne Ersatz da – und eine Neubesetzung blieb leider lange aus. Es ist wie in den letzten Szenen der Titanic: Mann und Maus verlassen das sinkende Schiff, aber die Band spielt weiter.
Flyer-Benefizkonzert-1Das Collegium musicum nämlich behilft sich mit einem externen Dirigenten, damit die Proben weitergehen können. Denn darum geht es den Studierenden: Um die Musik.

Damit dies in Zukunft auch noch möglich ist, bemühen sie sich um einen Dialog mit dem Rektorat, bisher leider vergeblich. Gemäß dem Motto ‚der Ton macht die Musik‘ werden den Studierenden von Seiten des Rektorats stattdessen geradezu destruktive Energien zugeschrieben. Bei denen stößt diese Unterstellung jedoch auf Unverständnis: „Wir suchen den Diskurs und sind sehr bemüht darum, eine konstruktive Lösung zu finden“, so Magdalena Möhlenkamp, selbst Chormitglied des Collegium musicum und Mitverfasserin des offenen Briefes an das Rektorat.
Dieser Brief blieb jedoch, wie auch andere Versuche das Gespräch zu finden, unbeantwortet und ein Diskurs zwischen beiden Parteien konnte so leider nicht stattfinden.
Um zu zeigen, dass es den engagierten Studenten und Studentinnen jedoch nicht um einen vermeidbaren Streit und um gegenseitige Schuldzuweisungen geht, sondern schlicht um die Musik, organisiert das Collegium musicum in eigener Regie am 2. Mai ein Benefizkonzert in der Kreuzkirche, die ihre Räumlichkeiten dafür freundlicherweise zur Verfügung stellt. Ab 20 Uhr kann man dort dann Giuseppe Verdis passendem Stück Messa da Requiem lauschen und hoffen, dass es sich nicht tatsächlich um die Totenmesse von Chor und Orchester handelt. Wer helfen möchte, dies zu verhindern, kann das Collegium musicum mit seiner Stimme bei einer Online-Petition unterstützen. Diese und weitere Informationen findet ihr unter folgendem Link:
https://www.openpetition.de/petition/online/generalpause-nein-danke