In prominenter Gesellschaft

Bekannte Gesichter an der Uni Bonn

Seit ihrer Gründung im Jahr 1818 haben Tausende von Studierenden die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität besucht und hier ihr Studium durchlaufen – darunter auch einige prominente Vertreter. Als fleißige Stipendiaten oder als Bummler und Tagträumer haben sie hier ihre Studentenzeit verbracht. Ob nun als Grundlage für ihre Karriere oder als Zwischenstopp auf dem Weg zu anderen Berufungen – zu dieser Zeit war noch nichts entschieden und die späteren Karrieren standen bei den meisten noch in den Sternen. Für alle aktuellen Studierenden, die von Ruhm, Macht oder Prominentendasein träumen, besteht also noch Hoffnung, es ihnen gleich tun zu können. Also ranhalten – vor allem mit Blick auf den bescheidenen Frauenanteil, wären ein paar neue Köpfe in der illustren Gruppe sicher eine erstrebenswerte Sache.

Ihm verdankt die Stadt Bonn den Regierungssitz der Bundesrepublik. Wahrscheinlich hat Konrad Adenauer die Stadt während seines Jura-Studiums an der Rheinischen Friedrich-Wilhems – Universität  lieben gelernt, das er vom vierten Semester an, ab dem Herbst 1985, in hier zu Ende brachte.  Während seiner Zeit als Student war er Mitglied des Katholischen Studentenvereins Arminia in der Kaiserstraße und hörte dort auf den Biernamen „Toni“. Nach sechs Semestern legte er 1897 das erste juristische Staatsexamen mit der Note „gut“ ab. Kein Wunder, dass er die Stadt in schöner Erinnerung behalten hat!

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben schrieb den Text zum Lied der Deutschen, dessen dritte Strophe heute als deutsche Nationalhymne gesungen wird. Das Handwerkszeug für das Verfassen bedeutungsschwerer Texte lernte der spätere Germanistik-Dozent wohl während seines Studiums in Bonn von 1818 bis 1821. Nachdem er sein „Erststudium“ der Theologie in Göttingen noch „mit wenig Geld und Lust“ begonnen hatte, inspirierte ihn die Begegnung mit dem Märchenbruder Jacob Grimm zum Studium der Germanistik und Deutschen Philologie und er wechselte kurz darauf an die frisch gegründete Universität in Bonn. Seit 1819 war er Mitglied der „Alten Bonner Burschenschaft, auch „Allgemeinheit“ genannt, in der seine nationalen Ideale geteilt wurden, die  jedoch deshalb 1820 in Folge der Karlsbader Beschlüsse aufgelöst wurde. 1821 zog Fallersleben weiter nach Berlin.
Er ist vielleicht der weltweit bekannteste Student der Bonner Universität: Karl Marx kam 1835 im Alter von 17 Jahren nach Bonn und studierte hier nach dem Willen seines Vaters Rechtswissenschaften und Kameralistik (ein Verfahren der Buchführung). Er genoss offenbar das „wilde Studentenleben“, zumindest wurde er wegen „nächtlichen Lärmens und Trunken­heit“ verurteilt und es wurde gegen ihn wegen „Tragen eines Säbels“ ermittelt. Außerdem soll er sich in seinem Studienjahr in Bonn einem „poetischen Kränz­chen“ angeschlossen haben, das wegen radikaler politischer Ideen von der Polizei überwacht wurde. Da seine Noten sich nach dem ersten Semester deutlich verschlechterten, musste er auf Druck seines Vaters nach einem Jahr 1836 an die Universität von Berlin wechseln.

Die gleiche Fächerkombination wie Marx hatte auch Heinrich Heine, der 1819 sein Studium in der gerade einmal ein Semester alten Universität Bonn begann. Das Studium wurde dem späteren Dichter und Schriftsteller, der sich zu dieser Zeit noch Harry nannte, von seinem vermögenden Onkel finanziert. Genau wie Fallersleben traf Heine zur Zeit der vormärzlichen Studentenbewegung in Bonn ein und schloss sich ebenfalls im Jahr seiner Immatrikulation der Verbindung „Allgemeinheit“ an, in der seine Ansichten geteilt wurden und an deren Ausflügen er teilnahm. Wegen seiner Teilnahme an einem Fackelzug ins Siebengebirge zum Gedenken der Völkerschlacht von Leipzig, wurde er durch das akademische Gericht der Bonner Universität verhört. Da sowohl die Rechts- wie auch die Kameralwissenschaften ihn nicht sonderlich interessierten, belegte er im ersten Semester nur die eine juristische Pflichtvorlesung. Viel mehr interessierten ihn hingegen die Geschichte der Deutschen Sprache und die Poesie, die Geschichte des Deutschen Reiches und Literaturwissenschaften, in denen er Vorlesungen bei August Wilhelm Schlegel und Ernst Moritz Arndt besuchte. Im Wintersemester 1820 wechselte er an die Universität nach Göttingen.

Zu den großen Namen, mit denen die Universität Bonn sich rühmen kann, gehört auch der Philosoph und Philologe Friedrich Nietzsche, der als 20-Jähriger im Wintersemester 1864/65 sein Studium der klassischen Philologie und evangelischen Theologie hier begann. Die Burschenschaft Frankonia verließ er bereits nach einem Jahr wieder, da ihm das Verbindungsleben nicht zusagte, genauso wie sein zweites Studienfach Theologie, das er nach dem ersten Semester abbrach und sich ganz der klassischen Philologie widmete. Da Nietzsche mit seiner Lage in Bonn generell unzufrieden war, wechselte er schon 1865 mit seinem Philologieprofessor nach Leipzig.

Auf der langen Liste der prominenten Absolventen der Bonner Uni ist Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles eine der wenigen Frauen. Sie begann 1990 ein Studium der Politikwissenschaft, Philosophie und Germanistik, das sie nach 20 Semestern als Magistra Artium beim heutigen Rektor der Universität Jürgen Fohrmann abschloss. Während ihres Studiums war sie bereits für einen Bundestags­abgeordneten tätig und war zudem von 1995 bis 1999 Bundesvorsitzende der Jusos. 2004 begann sie noch ein Promotionsstudium in Germanistik, welches sie jedoch 2005, wegen ihrer Tätigkeit im Bundestag, einstellte.

Mit 18 Jahren nahm 1877 der Prinz und spätere Kaiser Wilhelm II. an der von seinem Großvater gegründeten Universität in Bonn sein Studium auf. Wilhelm, der keinen akademischen Abschluss machen, sondern sich hauptsächlich ein Grundlagenwissen aneignen sollte, studierte hier vier Semester lang und besuchte dabei Veranstaltungen in Staats- und Völkerrecht, Nationalökonomie, Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie, allgemeiner Geschichte und auch in Physik und Chemie. 1878 wurde er Corpsschleifenträger der schlagenden Studentenverbindung Borussia Bonn, bei der er von da an den Großteil seiner Zeit verbrachte. Zum Unmut seiner Mutter, die angeblich vermerken ließ: „Zum nachhaltigen Arbeiten müßte man Wilhelm anhalten – da er von Natur aus ein solcher Bummler und Tagedieb ist.“ Wilhelm hingegen empfand seine Studienzeit in Bonn als die unbeschwerteste Zeit seines Lebens und rühmte später die Mitgliedschaft bei den Borussen als die „beste Erziehung, die ein junger Mann für sein späteres Leben bekommen kann.“  Mit Blick auf die historischen Folgen ein Urteil, das heute wohl angezweifelt werden darf.

Nicht schön, aber wahr: Auch Joseph Goebbels, der Reichspropagandaleiter im Dritten Reich, war 1917 bis 1918 Student der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität. Dort immatrikulierte er sich für die Fächer Altphilologie, Germanistik und Geschichte. Er war Mitglied der katholischen Studentenverbindung Unitas und erhielt vom Albertus- Magnus-Verein auch eine Art Stipendium. 1918 wechselte Goebbels über die Universitäten Freiburg, Würzburg und München nach Heidelberg, wo er 1922 promovierte.

Auch der bekannteste bekennende Bonner Guido Westerwelle absolvierte dort ab dem Jahr 1980 sein Studium der Rechtswissenschaften. Im gleichen Jahr trat der FDP bei und gehörte zu den Mitbegründern der Jungen Liberalen, deren Bundesvorsitzender er ab 1983 war. 1987 beendete er sein Studium mit dem juristischen Staatsexamen. Nach dem Referendariat am Amts- und Landgericht Bonn folgte 1991 sein zweites juristisches Staatsexamen.
Ulrich Wickert, der als Mr. Tagesthemen bekannt wurde, begann nach seinem Abitur 1961 ein Jurastudium in Bonn. Hier engagierte er sich unter anderem als AStA-Sportreferent und gründete das Ballettstudio der Universität. 1962 ging er mit einem Fulbright-Stipendium in die USA, wo er begann, sich für Politische Wissenschaften zu interessieren und sein bisheriges Berufsziel Diplomat verwarf. Nach seiner Rückkehr nach Bonn legte er daher seinen Schwerpunkt auf die Politikwissenschaften und schloss 1968 sein Studium mit dem Staatsexamen ab. Durch Zufall gelang ihm kurz später der Einstieg in den Fernsehjournalismus. Um 1966 schrieb Wickert außerdem für die akut-Redaktion.

Ein Studium an der Universität Bonn scheint ein gutes Sprungbrett für eine Karriere bei den Tagesthemen zu sein: Auch Wickerts Nachfolger Tom Buhrow, der die Sendung von 2006 bis 2013 moderierte, hat in der damaligen Bundeshauptstadt studiert, und zwar Geschichte, Politikwissenschaften und (man lese und staune) Rheinische Landeskunde. Dass er Journalist werden wollte, wusste er bereits nach seinem Abitur 1978, sodass er schon während seines Studiums für die Lokalredaktion des Bonner Generalanzeigers in Siegburg arbeitete. Sein Studium schloss er 1984 mit dem Magisterexamen ab und begann kurz darauf sein Volontariat beim WDR.

Auch Konrad Duden, der Vater des nach ihm benannten Rechtschreib-Wörterbuchs der deutschen Sprache, studierte ab 1846 vier Semester Geschichte, Germanistik und klassische Philologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. In dieser Zeit war auch er Mitglied der Studentenverbindung Germania. Nach vier Semestern brach er sein Studium jedoch ab, vermutlich aus finanziellen Gründen und wurde Hauslehrer. 1854, also sechs Jahre später, holte er mit besonderer Genehmigung, und vermutlich mit einer sanierten Haushaltskasse, sein Staatsexamen in Bonn nach.
Die beiden Comedians und Schauspieler Bastian Pastewka und Bernhard Hoëcker waren bereits während ihrer Studienzeit in Bonn befreundet und machten gemeinsame Auftritte als „Comedy Crocodiles“. Pastewka begann 1992 nach seinem Zivildienst ein Studium der Pädagogik, Germanistik und Soziologie, verließ die Uni aber bereits 1993 ohne Abschluss. Hoëcker studierte von 1993 bis 1996 Volkswirtschaftslehre bis zum Vordiplom (vergleichbar mit dem Bachelor-Abschluss), bevor auch er sich voll und ganz seiner Bühnentätigkeit widmete.

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