#allesistdesign

AUSSTELLUNG  Seit April zeigt die Bundeskunsthalle mit »Bauhaus – alles ist Design«, wie prägend die Bauhausideen waren und wie aktuell sie noch immer sind.

VON DOMINIQUE MÜLLER

f

Ausstellungsstück (Foto: Dominique Müller / AKUT)

Stühle. Spielzeug. Stühle. Geschirr. Fotos. Ach, und Stühle. Die Ausstellung, die sich mit dem »Staatlichen Bauhaus« als innovative Institution auseinandersetzt, präsentiert zahlreiche unterschiedliche und teils nie zuvor gezeigte Exponate. Dabei werden Stücke von damaligen Vertretern der Kunstschule mit Werken heutiger Künstler konfrontiert und gegenübergestellt, die ihre Arbeiten als Antwort auf die Frage »Was bedeutet Bauhaus für ihre Arbeit heute?« anfertigten.

1919 in Weimar von Walter Gropius gegründet, 1925 nach Dessau umgezogen und 1933 schließlich von den Nazis geschlossen, entwickelte das Bauhaus einen neuen Typ des Designers, damals noch als Gestalter bezeichnet. Die Schüler erhielten eine duale Ausbildung: Sie lernten neben handwerklichen Fähigkeiten auch theoretische Grundlagen wie Formen- und Farbenlehre und erlangten Kenntnisse über die menschliche Psyche und Wahrnehmung. Somit waren sie ebenso Handwerker wie Künstler. Sie sollten sich nicht auf bestimmte Bereiche fokussieren, sondern setzten sich zum Ziel, die gesamte Gesellschaft zu gestalten und umzugestalten. Dies geschah nicht zuletzt als Reaktion auf die gesellschaftlichen Umbrüche, die alle Lebensbereiche betrafen. Trotz denkbar schlechter Ausgangslage nach dem Krieg arbeiteten die Künstler zusammen. Durch Zeitschriften und Manifeste erlangten sie weltweite Aufmerksamkeit.

Ausstellungsstück (Foto: Dominique Müller / AKUT)

Ausstellungsstück (Foto: Dominique Müller / AKUT)

Hier und da sind an den Wänden einige Karten mit Zitaten zu finden. Designer Yinka Ilori äußerte sich zum Gemeinschaftsaspekt so: »Die Idee der Zusammenarbeit ist bis heute die bedeutendste Idee des Bauhauses: Obwohl alle Mitarbeiter bereits anerkannte Künstler waren, wollten sie gemeinsam die Welt des Designs verändern.« Die erste deutsche Hochschule für Design beschäftigte sich mit gesellschaftlichen Themen – beispielsweise »Mensch versus Maschine« oder »Individuum versus Gemeinschaft«. Themen, die auch heute wieder aktuell sind und stetig neu interpretiert werden.

Die Ausstellung ist in vier Themenbereiche unterteilt: #createcontext, #learningbydoing, #communicate und #thinkaboutspace. Ja genau, alle mit Hashtag versehen. Auch der Untertitel »Alles ist Design« findet sich mit Hashtag auf den Museumswänden. Die Hashtags ziehen sich durch die gesamte Ausstellung und stellen eine direkte Verbindung zu den sozialen Medien her. Um die kommt man ja bekanntlich heutzutage ebenso wenig herum wie ums Bauhaus, wenn man sich mit dem Thema Design beschäftigt. Kuratorin Jolanthe Kugler präzisiert im zur Ausstellung gehörigen Film, was man verdeutlichen möchte: Das Bauhaus sei eben keine Marke, sondern ein internationales Experimentierfeld mit heute immer noch offenem Ausgang.

Ausstellungsstück (Foto: Dominique Müller / AKUT)

Ausstellungsstücke (Foto: Dominique Müller / AKUT)

Das vom Bauhaus geprägte, umfassende Verständnis von Design ist in jedem Raum der Ausstellung zu entdecken. Zeit sollte man auf jeden Fall mitbringen! Neben den zahlreichen Stühlen gibt es eben auch teils so banal wirkende Stücke wie Geschirr oder Spielzeugkreisel, die man vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Dies zeigt aber nicht zuletzt genau den zentralen Punkt der Ausstellung: Alles ist gestaltbar, alles ist Design und Design durchzieht unser ganzes Leben. Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. August und zeigt schlichtweg, wie bedeutend und prägend das Staatliche Bauhaus wirklich war.

Ein Zitat von Architektin und Designerin Eva Eisler, ebenfalls an den Museumswänden entdeckt, bringt es auf den Punkt: »Die Bauhausideen waren revolutionär und sind noch heute gültig. Zu einer Zeit, als man nach einer neuen Lebensweise suchte, brachte Walter Gropius Kunst, Architektur, Design und Handwerk zusammen.«


Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentare sind geschlossen