Stellungnahme für den AStA Uni Bonn: geplante Kissinger Professur an der Universität Bonn

Hinweis der Redaktion: Diese Stellungnahme ist eine Ergänzung zu diesem Artikel.

 

21.2.2014

Stellungnahme für den AStA Uni Bonn: geplante Kissinger Professur an der Universität Bonn

In einem Interview mit dem DLF hatte ich am 1.2.14 Ihre Kritik an der og. geplanten Professur als „Irrwitz“ bezeichnet. Gern will ich Ihnen diese etwas verkürzte und polemische Äußerung näher erläutern:

1. Zunächst möchte ich Ihnen sagen, dass Einzelkritik an Kissingers Außenpolitik legitim und nachvollziehbar ist. Auch ich halte die Chile Politik der Regierung Nixon – Kissinger in Teilen für sehr problematisch in den Jahren 1970- 1973. Aber Sie suggerieren eine direkte Verantwortung von Henry Kissinger für Menschenrechtsverbrechen in Chile, die so nicht haltbar ist. Fehler und Versäumnisse werden mit Kriegsverbrechen gleichgesetzt, – das ist weder wissenschaftlich plausibel noch politisch haltbar. Ihre extreme Form der Verurteilung wird noch fragwürdiger, wenn man den weltpolitischen Kontext berücksichtigt: es war die Zeit des Kalten Krieges, der amerikanisch – sowjetischen Bipolarität, in der fast alle Ereignisse, auch regionale, in den beiden Haptstädten Washington und Moskau in ein idelologisches Raster gepresst wurde, das einer objektiven Bewertung der Ereignisse nicht selten hinderlich war. Kissinger wie Nixon waren gerade mit Blick auf die Peripherien der Weltpolitik strikt anti-kommunistisch eingestellt und leiteten davon fälschlicherweise ab, dass jede Aktion, die den Kommunismus aufhält, moralisch gerechtfertigt sein. In diese Betrachtungsweise fiel auch die Wahl von Allende. Nach der sog. „sandwich- Theorie“ befürchtete man in Washington, dass nach Kuba nun auch Chile unter kommunistischen Einfluss geraten könnte. Das Dilemma in Latein Amerika bestand ja darin, dass der zu geringe Einfluss bürgerlicher Politik leider zu oft nur die Alternative oder besser: das Dilemma zwischen autoritär- rechten oder sozialistisch – linken Regimes mit sich brachte. Und vor diese Alternative gestellt handelten die Regierungen in Washington oft nach der saloppen Devise von Präsident F. D. Roosevelt: he may be a son of a bitch, but he is OUR son of a bitch! das mag Sie jetzt wissenschaftlich nicht befriedigen, aber dies Dilemma verweist auch auf das realpolitische Dilemma, mit dem Nixon und Kissinger sich konfrontiert sahen: Allende wurde von Kissinger wegen dessen Bewunderung für Fidel Castro und auf Grund seiner sozialistischen Denkhaltung und politischen Verbindungen zu Kuba als Bedrohung der westlichen d.h. amerikanischen Einflusssphäre gesehen. Damit rechtfertige ich nicht die Chile Politik der Regierung Nixon, sondern verweise nur auf zentrale global- strukturellen Erklärungsmuster die über die wichtige Menschenrechtsfrage hinaus führen. Es geht also hier bei der Bewertung von Kissingers Haltung nicht nur um Menschenrechte, sondern noch mehr um geo-strategische und ideologische Aspekte der Weltpolitik und um die Interessen der USA als führende westliche und anti-kommunistische Weltmacht. All diese Überlegungen, die wissenschaftlich, politisch und auch moralisch gesehen unverzichtbar sind, werden von Ihnen völlig negiert. Aber für Kissinger war, nicht völlig unbegründet, Allende ein Bewunderer der kubanischen Diktatur und ein entschiedener Gegner der USA.

2. Ähnlich einseitig beurteilen Sie Kissingers Haltung mit Blick auf Osttimor. Selbst wenn man Kissingers Schweigen gegenüber dem indonesischen Präsidenten bei dessen geplanter Invasion von Osttimor als verhaltene Zustimmung wertet, wofür einiges spricht, so erscheint es doch mehr als fragwürdig Kissinger persönlich für 100.000 Tote in Osttimor verantwortlich zu machen. Das geht eindeutig zu weit. Aber auch hier übersehen Sie bei Ihrer Kritik den politische Kontext: die Entkolonialisierungspolitik Portugals versetzte nicht nur Süd Ost Asien und OstTimor sondern das südliche Afrika in Bewegung, – vor allem die ehemaligen portugisischen Kolonien, wie Angola. Angola war weitaus wichtiger für die USA als OstTimor, denn es wurde nach Rückzug der Portugiesen sofort zum Spielball der Weltmächte. Weil Kissinger in Angola aus innenpolitischen Gründen die Hände gebunden waren, setzten sich in Angola die Marxisten mit massiver Militärhilfe aus Kuba und der Sowjetunion durch. Im Gefolge der Tragödie in Angola drohte weiteren Staaten im Süden Afrikas Gewalt und Aufruhr. Deshalb entwickelte Kissinger eine aktive Afrika Politik mit starker Betonung der Menschenrechte: Kissinger hat großen Anteil, dass das rassistische Regime Smith in Rhodesien weichen musste, dass das Apartheid Regime in Süd Afrika unter Druck geriet, dass sich für Namibia eine Perspektive der Selbstbestimmug abzuzeichnen und dass vor allem die marxistischen Kräfte unterstützt von der Sowjetunion und Kuba keine weiteren Landgewinne im südlichen Afrika für sich verbuchen konnten. Diese Leistungen finden bei Ihnen keinerlei Berücksichtigung. Es ging also nicht nur um Osttimor als koloniales Erbe von Portugal, sondern vor allem in Afrika setzte sich Kissinger mit den geostrategischen und menschenrechtlichen Folgen dieses Prozesses konstruktiv auseinander. All dies sollte auch bei Kissingers Wirken berücksichtigt werden. Negativ fällt für mich ins Gewicht, dass Kissinger das Aufkommen kommunistischer Kräfte in Westeuropa, vor allem auf der iberischen Halbinsel, in Form von „Eurokommunismus“ völlig überschätzte.

3. Die Bombardements von Laos und Kambodscha, denen viel zu viele Zivilisten zum Opfer fielen, werden von Ihnen kategorisch verdammt und Kissinger als Mitverantwortlicher gebrandmarkt. Das ist Ihnen nur schwer zu verdenken. Berücksichtigen Sie bitte aber auch: die Bombardements sind nur im Kontext der amerikanischen Vietnam Politik erklärbar. Kissinger und Nixon versuchten einen Krieg zu beenden, der sich als politisch falsch und strategisch sinnlos erweisen sollte. Beide waren deshalb davon überzeugt, dass es zum Rückzug der amerikanischen Truppen keine Alternative gab. Aber Nixon wollte nicht zum ersten Präsidenten der USA werden, der einen Krieg verliert. Prestige ist also eine Kategorie in Politik und Internationaler Politik, die neben anderen Elementen, wie Menschenrechte, Interesse, Macht, Ordnung und Gerechtigkeit eine zentrale Rolle spielt. Kissinger`s Konzept eines sog. „Ehrenvollen Friedens“ sollte im Lichte dieser Prestige- Notwendigkeiten gesehen werden. Deshalb bedurfte es harter Verhandlungen mit der nordvietnamesichen Führung um Amerikas Prestige zu wahren. Aber es besteht kein Zweifel, dass die Massenbombardements auf Nord- Vietnam, Laos und Kambodscha ein entsetzlich hoher Preis für ein angestrebtes -rein machtpolitisch definiertes- Prestige waren. Vor allem ging dabei auch die strategische Kalkulation von Nixon und Kissinger nicht auf, abgesehen von der Tatsache, dass die USA nicht nur durch diese Bombardements sondern auch durch ihre von Anfang an verfehlte Vietnam Politik an zivilisatorischem, d.h. menschenrechtlich definiertem Prestige einbüssten. Vietnam und die damit verbundenen Bombardements auch in Laos und Kambodscha gehören zu den dunkelsten Kapiteln amerikanischer Außenpolitik im 20. Jahrhundert. Hier wurde besonders deutlich wie irreführend die sog. Domino Theorie gewesen ist. Kissinger macht da keine Ausnahme. Aber auch hier darf neben aller Kritik nicht vergessen werden, dass die ideologisch aufgeladene Atmosphäre des Kalten Krieges besonders militante Auswirkungen hatte. Ich denke, ich bin nicht der einzige, der damals 1966 als junger Offizier der Bundeswehr glaubte, dass in Saigon die Freiheit des Westens verteidigt wird und ich vermutlich als Freiwilliger, wenn ich aufgefordert worden wäre, dort mit gekämpft hätte. Das klingt heute absurd, auch für mich, aber vergessen Sie nicht, dass es eine Sache ist, die Zeit als Zeitgenosse zu erleben und eine andere, im Abstand von Jahrzehnten darüber (halbwegs) objektiv urteilen zu wollen,-zur Objektivität gehört aber auch das Bemühen um Verständnis. Dass wir vor ähnlichen Fehleinschätzungen bis in die Gegenwart nicht frei sind zeigt die deutsche Afghanistan Politik. Noch vor jahren erklärte der Verteidigungsminister struck, dass Deutschlands Sicherheit am Hindukusch verteidigt wird. Das klingt genau so irreal wie: in Saigon wird die Freiheit des Westens verteidigt. So hiess es in den sechziger Jahren

4. Aber das Hauptmanko Ihrer Stellungnahme: Ihre Kritik an Kissinger ist völlig einseitig. Sie lässt dessen Verdienste unerwähnt,- sowohl als Politiker als auch als Politikwissenschaftler. So hat er ganz wesentlichen Anteil an zentralen Neuerungen, wie z.B. der amerikanischen Entspannungspolitik mit der VR China und der Sowjetunion. So hektisch anti – kommunitisch er oft an den Peripherien der Weltpolitik agierte, so strategisch weitsichtig handelte er auf der Ebene der Groß-oder Weltmachtpolitik.

5. Mit der VRChina gab es seit deren Gründung so gut wie keinen Kontakt. Nixon und Kissinger negierten aber alle innenpolitischen Bedenken und außenpolitische Vorbehalte als sie eine revolutionäre Öffnung gegenüber der zweiten kommunistischen Weltmacht wagten. Nirgendwo fallen außenpolitischer Weitblick, diplomatische Dramatik, geo- strategische Klugheit und weitgehend ent-ideologisierte Interessenkalkül so geglückt zusammen wie in deren Chinapolitik. Nixon und Kissinger legten damit den Grundstein für eine weitsichtige interessen-orientierte nüchterene Kooperation zwischen beiden Ländern, die dem ideologisierten Zeitgeist weit voraus war. Kissingers Geheimdiplomatie und Nixons Besuch in Peking 1972 gehören zu den Meisterleistungen amerikanischer Außenpolitik des 20. Jahrhunderts. Und es lohnt sich gerade hier in Kissingers brillanten Memoiren dies alles nach zu lesen. Die Auswirkungen waren nicht nur für die amerikanisch- chinesischen Beziehungen, sondern auch auf gesamt Asien bezogen sensationell.

6. Vor allem gelang es Kissinger im Zuge dieser sino- amerikanischen Annäherung die Beziehungen zum Hauptrivalen Sowjetunion neu und konstruktiv zu gestalten. Mehr Abrüstung und mehr Menschenrechte waren das Ergebnis- und zwar als Ergebnis von Geheimdiplomatie und nicht von öffentlich moralisierendem Getöse, was die Herrscher im Kreml nur abgeschreckt hätte. In geheimen Abmachungen gelang es Kissinger und Nixon Zehntausende Juden und andere aus der Sowjetunion zur Ausreise zu verhelfen. Im Salt Abkommen von 1972 kam es dann zu bahnbrechenden Durchbrüchen bei der Rüstungskontrolle, die allerdings von den Sowjets unterlaufen wurden als sie dann später gegenüber Europa unterhalb der strategischen Schwelle ihr taktisches Nukleararsenal modernisierten und aufrüsteten, – Stichwort SS- 20 und als Reaktion des Westens auf die drohende Gefahr der NATO Doppelbeschluß.

7. Die Neuordnung der „pentagonalen“ Welt im Rivalitäts – Dreieck USA- Sowjetunion- VRChina ist die zentrale Leistung von Kissinger. Die Neuordnung im Bündnisdreieck USA- Westeuropa- Japan dagegen fällt nüchterner aus, bleibt jedoch respektabel. Vor allem die konstruktive Rivalität zwischen den USA und der Bundesrepublik Deutschland in Sachen Entspannungspolitik gegenüber der Sowjetunion ist von historischem Gewicht.

8. Vielleicht wird Ihnen mittlerweile deutlich, dass mehr dazu gehört, als nur die berechtigte Kritik, die Sie geäußert haben, um Kissingers Leistungen voll zu würdigen. Viele andere Verdienste muss ich hier aus Zeit- und Platzgründen unerwähnt lassen, wie seine Bemühungen um Frieden in Nah- Ost. Kissingers Schritt-für- Schritt Diplomatie suchte nach dem Yom- Kippur- Krieg die arabisch – israelischen Gegensätze zu überwinden. Gleichzeitig legte Kissinger damit auch den Grundstein für weitere Friedensbemühungen, die dann 1977 in den Camp David Abkommen erste Ergebnisse zeitigte. Und. er war erfolgreich, Ägypten aus dem sowjetischen Einflußbereich zu ziehen und zum Verbündeten der USA zu gewinnen.

9. Was mich persönlich an dieser Außenpolitik fasziniert, war Kissingers Fähigkeit für ein pragmatisches und realpolitisches Verständnis von (amerikanischer) Außenpolitik . Er wie auch Nixon waren Gegner einer anti- kommunistisch aufgeladenen „Roll- Back“ Politik gegenüber den kommunistischen Weltmächten. Wissenschaftlich interessant ist auch, dass der Professor Kissinger zu Beginn seiner Tätigkeit als Nationaler Sicherheitsberater stark duch die wissenschaftstheoretischen Maxime des „Außenpolitischen Realismus“ im Sinne von Hans J. Morgenthau geprägt war, dann aber immer mehr durch die praktischen Erfahrungen von Macht und der Verantwortung geformt wurde. In diesem Sinne entwicklete er zusammen mit dem Präsidenten die sog. „Nixon- Doktrin“ ,- nach der die USA nicht mehr die Rolle des Weltpolizisten spielen sollten, sondern mehr außenpolitische Selbstbeschränkung, mehr Übernahme von Verantwortung durch die Verbündeten und mehr Dialog und Entspannung mit den rivalisierenden kommunistischen Mächten forderte. Das waren große Leistungen, die nicht zuletzt in den USA mit Mißtrauen begleitet wurden, weil Kissinger das amerikanische Sendungsbewusstein zu dämpfen suchte. Vor allem die militanten konservativen Kritiker seiner Politik bezichtigten ihn ständig, er würde amerikanische Sicherheitsinteressen aufs Spiel setzen wenn er den Ausgleich mit den kommunistischen Weltmächten sucht. Dabei war es nicht ohne Tragik, dass Nixon durch den Watergate – Skandal auch außenpolitisch das gefährdete, was er zuvor mit Kissinger gemeinsam aufgebaut hatte: ein neues globales Machtbalance System, das durch Mässigung, Kooperation und nüchternes Interessenkalkül möglichst stabil gehalten werden sollte.

10. Kissinger ist also m.E. nicht nur als Staatsmann sondern auch als Wissenschaftler unter Abwägung aller Argumente eine herausragende Persönlichkeit. Lesen Sie seine Bücher, die alle seit den 50ger Jahren die wissenschaftliche Diskussion über die zentralen Probleme der Internationalen Politik befruchteten. Seine drei monumentalen Erinnerungsbände über die Jahre seiner regierungsverantwortung als nationaler Sicherheitsberater und Außenminister von 1968 bis 1977 suchen ihresgleichen in der Geschichte und Zeitgeschichte. Seine Überlegungen zu grundlegende Fragen der Internationalen Politik sind ebenso lesenswert wie die zu den aktuellen Aspekten und Problemen, mit denen er als Politiker befasst war. Seine Portraits führender Politiker und Staatsmänner sind unübertroffen. Aber auch seine Bücher nach seiner Regierungstätigkeit sind vielfach Standartwerke zu Fragen der Internationalen Politik geworden wie „Die Vernunft der Nationen“ oder seine weiteren Bücher zur amerikanischen Außenpolitik oder über China. Dass bis heute die USA mit Blick auf China eine realistische, d.h. auf Ausgleich und Klugheit bezogene Politik betreiben ist weitgehend Kissingers Verdienst.

 

Lassen sie mich Ihnen zum Abschluss sagen, dass ich hier nur stichwortartig auf Ihre Kritik eingehen konnte. Kissingers Außenpolitisches Denken und Handeln habe ich vor mehr als 30 Jahren in meiner Habilitationsschrift „Die Ära Nixon- Kissinger 1969 – 1974“ abgehandelt(erschienen bei Klett- Cotta, Stuttgart 1983). Manches von dem damals Geschrieben ist noch brauchbar,manches vielleicht überholt. Aber Ihre Kritik war mir ein willkommener Anlass meine Ansichten zu überprüfen, d.h. neuere Literatur nachzulesen und auch mich zu korrigieren.

Doch trotz vieler Fehler und Versäumnisse bitte ich Sie, Ihre kritische Einstellung zu überprüfen, denn m. E. hält sie nicht stand, sie ist zu einseitig und wird den Leistungen Kissingers als Politiker und als Wissenschaftler nicht gerecht.

Meine Empfehlung an Sie lautet deshalb: setzen sie sich für eine Kissinger Professur an der Uni Bonn ein. Aber:

beeinflussen Sue die Besetzung konstruktiv. Setzen Sie sich dafür ein, dass die Professur mit „the best and the brightest“ besetzt wird.

Man wird in der Kommission für eine optimale Besetzung alles tun. In diesem Sinne darf ich noch folgende personelle Anregungen geben:

Die geplante Kissinger Professur sollte mit einer Persönlichkeit besetzt werden, die entweder in Wissenschaft oder Politik (am besten in beiden Bereichen) sich im Verständnis eines „Außenpolitischen Realismus“ ausgezeichnet hat. Am besten schaut man sich, bevor man in die Ferne schweift, zunächst „zu Hause“ um und da werden Sie schon fündig:

– im Bonner Raum lebt der frühere Außenminister H.D. Genscher. Wenn die Professur für ein Jahr ausgeschrieben sein sollte, dann wäre es eine großartige Sache, wenn man Herrn Genscher hierfür gewinnen könnte. Gehen Sie auf ihn zu, fragen Sie ihn. Er hat ein offens Ohr für die Belange junger Menschen also auch der Studenten. Scheuen Sie sich nicht, ich kenne ihn gut und er wird ein Gespräch mit Ihnen nicht ablehnen, da bin ich mir sicher. Und die Berufungskommission wird staunen über Ihren coup..

– Lothar Rühl, Professor an der Uni Köln, auch schon über 80, käme auch in Frage. Er ist hochqualifiziert, ein brillanter Journalist des Spiegel in den 50ger Jahren, später Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Autor hervorragender Bücher zu Fragen der Internationalen Politik, der Außenpolitik der USA und Russlands. Abrüstungsexperte und eine Persönlichkeit die im Sinne des „Außenpolitischen Realismus“ , der sowohl theoretisch zu raisonnieren versteht wie auch praktische Erfahrung in hochrangigen Regierungämtern mit sich bringt. Noch heute schreibt er zu diesen Fragen in der FAZ. Er wohnt in Bonn und wäre eine ausgezeichnete Wahl.

– John Mearsheimer, geschätzter Kollege aus Chicago, villeicht DER wiichtigste Vertreter der realistischen Schule derzeit im Internationalen Vergleich. Herausragende Bücher, das vorletzte war über den Einfluß der jüdischen Lobby auf die amerikanische Außenpolitik. Würde er berufen, wäre dies ein Glücksfall für die Universität.

– Mein Geheimtip: Robert Cooper, britischer Karrierediplomat, außenpolitischer Berater von PM Tony Blair und Chefstratege für eine gemeinsame europäische Außenpolitik vor ca. 10 jahren. Er entwickelte ein faszinierendes Modell der gegenwärtigen weltpolitischen Lage im realistischen Sinne. (das hat mich seinerzeit so beeindruckt, das ich den Versuch unternahm, seine Überlegungen auf die Schlussfolgerungen für die deutsche Außenpolitik hin zu untersuchen in: C.Hacke: mehr Bismarck, weniger Habermas, in: Internationale Politik, Juni 2006) Cooper war auch früher in Bonn stationiert , Professor Kühnhardt kennt ihn gut und kann Ihnen mehr sagen.

Auch sollte nicht vergessen werden, dass im Bonner Raum sehr verdienstvolle Karrierediplomaten, Staatssekretäre u.a. Fachleute der Internationalen Politik wohnen. ich habe seinerzeit als Direktor des Instituts für Politische Wissenschaften Persönlichkeiten wie Staatssekretär Rühl u.a. für Lehrveranstaltungen gewinnen können.

Nun, im Rahmen einer Kissinger Professur könnte man im großen Stil dieses Reservoir von außenpolitischem Sachverstand noch viel besser ausschöpfen. In Bonn könnte Internationale Politik realistisch, erfahrungsgesättigt und praxisbezogen gelehrt werden, wie nirgendwo anders.

Es gäbe noch einige jüngere Wissenschaftler in Deutschland, wie Professor Carlo Masala von der Uni der Bundeswehr in München oder Professor Martin Wagener von der Fachhochschule des Bundes in Brühl. Beide empfehle ich weil sie im Sinne des „Außenpolitischen Realismus“ lehren und forschen.

Darüber hinaus möchte ich Sie daran erinnern, dass Bundespräsident Gauck vor wenigen Wochen auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Recht eine stärkere Berücksichtigung von außen-und sicherheitspolitisch ausgerichteten Professuren anregt. Diese Rede ist von großer Wichtigkeit, ich empfehle Ihnen die Lektüre nachdrücklich!

Sie sehen also, es hängt auch von Ihnen ab, ob und wie in Zukunft an der Universität Bonn Internationale Politik gelehrt wird.

Von der Entscheidung über und von der Besetzung der Kissinger Professur hängt es auch ab, ob die geplante Kissinger Professur möglicherweise als Provinzposse endet oder ob sie Prestige und Ansehen der Universität steigern wird.

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